Dienstag, 7. Oktober 2014

Conan-Retro #1: Wolkenkratzer, Bombe, Identität.

„Der tickende Wolkenkratzer“ [JP '97 | Kenji Kodama]

Die ausführlichen Intros der Conan-Filme erlauben es sogar interessierten Neueinsteigern hier einen kurzen Blick zu riskieren. Für Fans gibt es derweil ein Wiedersehen mit alten Bekannten, routiniertes Schnüffeln eines klugscheißenden Teenagers und Animationen, die leider nicht über Serien-Niveau hinauskommen. Am Status quo ändert sich auch hier nicht viel und all jene, die mit der Serie schon nichts anzufangen wussten, werden auch mit dieser netten Hatz nicht umgestimmt werden können. Ansonsten folgt zumindest die Erkenntnis, dass Conan auch auf der großen Leinwand funktioniert.

4.5/10

„Das 14. Ziel“ [JP '98 | Kenji Kodama]

Das Credo der Conan-Kinofilme scheint simpel: Einfach alles ist eine kleine Nummer größer und weitet die im Serienformat installierten Mehrteiler abermals aus. Mehr Figuren, längerer Showdown und immer geht irgendetwas kaputt. Dramaturgisch kopiert "Das 14. Ziel" sowohl Serien-Episoden (bei über 700 Folgen kein Wunder) als auch seinen Vorgängerfilm (Auflösung, Flucht, Sieg). Den Täter antizipiert man – selbst wenn man nur rudimentär mit "Detektiv Conan" vertraut ist - auch schon gut 50 Minuten vor dem Ende. Immerhin nutzen die Macher das neue Format, um den Protagonisten durch Exkurse in die Vergangenheit so etwas wie Tiefe zu verleihen und der jazzige Synthi-Soundtrack der Serie fällt hier zum ersten Mal richtig ins Gewicht, während die Schmarmützel zwischen den eigentlich erschreckend flachen Figuren, Nostalgikern nach wie vor ein Grinsen auf das Gesicht zaubern dürften.

5/10

„Der Magier des letzten Jahrhunderts“ [JP '99 | Kenji Kodama]

Klasse! Die Macher spielen alle Trumpfkarten aus, die ihnen das Serien-Franchise an die Hand gibt: Ein spannender Plot, der zum miträtseln einlädt, abwechslungsreiche Schauplätze (u.a. auf dem hohen Meer und einer Schloss Neuschwanstein-Kopie) und eine Vielzahl der sympathischen Figuren des Conan-Universums. Die Wendungen lassen im richtigen Maße an den eigenen Schlüssen zweifeln und die Hinweise sind offensichtlich und doch nie gänzlich einzuordnen. Deswegen bleibt vieles zunächst Ahnung und keine Gewissheit. Auch die vielfältigen Referenzen zu Geschichte, Sprache und Kultur eines Landes (hier: Russland) lassen in "Der Magier des letzten Jahrhunderts" (eigentlich: The Last Wizard of the Century) ein zentrales Element der Originalserie wiederaufleben. Zudem gönnt dieser dritte Kinofilm mit Kaito Kid auch einem der großen Conan-Gegenspieler einen mittelgroßen Auftritt. Und endlich wird auch Conan's wahre Identität ein entscheidendes Thema, das zunächst nur am Rande, dann aber ganz entscheidend zur Spannung beiträgt, geht es doch neben der Suche nach einem Mörder, sowie einem Meisterdieb, nun auch um die Bewahrung der eigenen Interessen. Bemerkenswert ist deshalb vor allem der große Plot, der vor dem Hintergrund einer klassischen Kriminalgeschichte das Genie eines narzisstischen Teenagers, minutiösen, Gadget-befeuerten Heist, Kinderabenteuer und Familiengeschichte miteinander vereinbart.

6.5/10

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