Samstag, 20. September 2014

"The Last Kiss" [US '06 | Tony Goldwyn]

 

Das erste Mal habe ich „The Last Kiss“ als heranwachsender Geschmacks-Verwirrter und einigermaßen großer Zach Braff-Fan gesehen. Circa sechs Jahre später, heute also, wollte ich mich diesem naiv-schönen Nichts erneut begeistert widmen - und scheiterte. „The Last Kiss“ ist vom Schlechten zu viel und vom Guten zu wenig, und er nutzt seine Chancen einfach nicht. Das schwammige Drehbuch versucht zwar irgendwo abseits der üblichen Schemata eine eigene Sprache zu finden, verfolgt aber keinen der thematischen Ansätze ernsthaft bis zum Schluss. 

Die Ambition gleich eine Hand voll Beziehungen – vom kürzlich getrennten Verzweifelten bis hin zum alten Ehepaar - und ihr scheinbares Scheitern zu sezieren, führt leider nur zu oberflächlichen Figurenskizzen und Beziehungsumrissen, von denen kein Part genügend Gelegenheit bekommt, sich konsequent von A nach B zu entwickeln, zumal sich die heraufbeschworenen Konflikte mit Coldplay-Mucke und unglaublich kitschigen One-Linern aus der Mottenkiste schlussendlich viel zu schnell in Wohlgefallen auflösen. 

Es fehlt einfach überall ein bisschen, niemand ragt heraus, reißt außerhalb seiner Figurenkonzeption irgendetwas oder geht ein Risiko ein - Braff ist er selbst, Barrett als Männer-verstehende Traumfrau einigermaßen beliebig und gerade wenn sie gegen Ende in ihre viel zu hysterische Rolle gedrängt wird auch erstaunlich unsympathisch. Tom Wilkinson als altväterlicher, Pseudo-Weisheiten-verbreitender Ignorant und Bilson in einer weiteren Nerv-Rolle komplettieren den Kreis jener, die sich einem Drehbuch ausgesetzt sehen, dass sich dann doch immer wieder dorthin drängt, von wo es sich eigentlich distanzieren möchte – dem einfachen Genre-Vertreter. 

„The Last Kiss“ ist dabei fortwährend ein zutiefst amerikanischer Film, und das ist okay, integriert er das amerikanische Selbstverständnis doch in einen geerdeten Rahmen. Wie es die Probleme und Ängste im Alltag aber nun zu bewältigen gilt oder ob eine Trennung manchmal vielleicht doch die beste Lösung ist, lässt der Film unbehandelt und beugt sich dem common sense seines Genres. Dass sich am Ende dann doch niemand trennt und scheinbar alles wieder ganz toll ist, widerstrebt dabei nicht nur den Figuren, sondern offenbart darüber hinaus auch eine überaus verquere Weltsicht, in der eine Scheidung und die Trennung des gemeinsamen Weges offenbar mit der Vorstellung eines traditionellen, alles auflösenden Happy Ends kollidiert. Nostalgie kann manchmal eben auch ein Fluch sein.

4/10

Sonntag, 31. August 2014

Zuletzt gesehen: August 2014

 

"The Amazing Spider-Man" [US '12 | Marc Webb] - 3/10

"The Amazing Spider-Man 2 - Rise of Electro" [US '14 | Marc Webb] - 3/10

"Joy Ride" [US '01 | John Dahl] - 4/10

"Moneyball" [US '11 Bennett Miller] - 6.5/10

"Keine Lieder über Liebe" [DE '05 | Lars Kraume] - 5/10

"Let Me In" [UK, US '10 | Matt Reeves] - 6/10

"Warrior" [US '11 | Gavin O'Connor] - 5/10

"Captain America: Winter Soldier" [US '14 | Anthony & Joe Russo] - 6/10

"Bambi" [US '42 | David Hand] - 7/10

"Upstream Color" [US '13 | Shane Carruth] - 5/10

"Das Phantom Kommando" [US '85 | Mark L. Lester] - 5/10

"Inside Man" [US '06 | Spike Lee] - 5/10

"Cloud Atlas" [DE, HK, SG, US '12 | Tykwer & Wachowskis] - 5.5/10

"Crazy Heart" [US '09 | Scott Cooper] - 5/10

"Road to Perdition" [US '02 | Sam Mendes] - 6.5/10

"Paprika" [JP '06 | Satoshi Kon] - 7/10

"Millennium Actress" [JP '01 Satoshi Kon] - 6/10

"Tokyo Godfathers" [JP '03 | Satoshi Kon] - 7/10

"Under the Skin" [UK '13 | Jonathan Glazer] - 8/10

"Blau ist eine warme Farbe" [FR '13 | Abdellatif Kechiche] - 5.5/10

"Man of Steel" [US '13 | Zack Snyder] - 4/10

"The Place Beyond the Pines" [US '12 | Derek Cianfrance] - 7/10

"Absolute Giganten" [DE '99 | Sebastian Schipper] - 7/10

"Der Räuber" [AT, DE '10 | Benjamin Heisenberg] - 5.5/10

"Ping guo" [CN '07 | Yu Li] - 4/10

"The Lego Movie" [AU, DK, US '14 | Phil Lord & Christopher Miller] - 5/10

"Lucy" [FR, US '14 | Luc Besson] - 6/10

"Don Jon" [US '13 | Joseph Gordon-Levitt] - 4/10

"Das verflixte 3. Jahr" [FR '11 | Fréderic Beigbeder] - 5/10

"Man on the Moon" [US '99 | Milos Forman] - 8/10

"Adaption." [US '02 | Spike Jonze] - 5.5/10

"Synecdoche, New York" [US '08 | Charlie Kaufman] - 5/10

"Looper" [US '12 | Rian Johnson] - 4/10

Samstag, 23. August 2014

"Dressed to Kill" [US '80 | Brian de Palma]

 

De Palma hat es tatsächlich vollbracht. „Dressed to Kill“ hätte in ganz ähnlicher Form auch von einem gut gelaunten Hitchcock stammen können. Weite Teile seiner Handlung treibt de Palma ohne ein einziges gesprochenes Wort voran und besinnt sich einzig und allein auf die filmischen Mittel, die ihm zur Verfügung stehen. Deswegen ist de Palma im Kino, und nur im Kino, wirklich Zuhause. Die Geschichte einer offenkundig sexuell getriebenen, spontanen Affäre benötigt in diesem Zusammenhang auch keine Worte, die sie verlautbart, sondern kann ausschließlich über Bilder, über Gesten und Blicke, sowie treibende Kamerabewegungen erzählt werden. Es scheint also bezeichnend, dass der einzige Versuch das Wort an die namenlose Liebschaft zu richten, in einem leidenschaftlichen Kuss erstickt, dem alsbald eine tiefer gleitende Hand und ein verlorenes Höschen folgt – alles im Taxi, versteht sich. Dauerbefeuert vom orchestralen Pomp Donaggio's, dessen Score nur eine Richtung zu kennen scheint, und zwar die, die unaufhörlich, unermüdlich, unnachgiebig nach vorne prescht, bis auch der hinterletzte Vollhorst verstanden hat, wem dieses dauergeile, übersexualisierte Thriller-Puzzle gilt, das mit gelegentlicher Subtilität gar überlebensgroße, zeitlose Momente von berstender Spannung kreiert (U-Bahn). Auf einen alles erklärenden Plausch eine abermalige Konfrontation folgen zu lassen, jeder final wirkenden Szene eine weitere anzuhängen und den Film so immer weiter zu verschachteln, erweist sich als simpler, aber spannender Kniff. Wer mag, darf de Palma auch hier die üblichen Vorhaltungen machen - Misogynie lässt grüßen. Wer das aber ernsthaft in Erwägung zieht, dem ist eh nicht mehr zu helfen. De Palma erweist sich einmal mehr als ungeheuer moderner Filmemacher, der dem Konzept einer Hommage mit schier grenzenlosem, inszenatorischem Enthusiasmus begegnet - und der Nerd bekommt am Ende das Mädchen. 

7/10

Sonntag, 17. August 2014

"The Act of Killing" [ID '12 | Joshua Oppenheimer]

 

Wenn diese Menschen nun – Männer, Väter, Großväter, Mörder, Massenmörder - sich wie Gangster aus einem 50er Jahre Hollywood-Film verkleiden, von Pacino und Brando schwafeln und ihre Taten - echte, unwiderrufliche Morde - mit Kunstblut und billigen Masken nachstellen, dann hebt „The Act of Killing“ die Grenzen zwischen Realität und Fiktion endgültig auf. Sie fiktionalisieren ihre Taten, und wir schauen ihnen dabei zu. Sie stellen Kinobilder nach, werfen sich in Pose, imitieren Habitus und Gerede, verzerren die Wahrheit zum Maskentheater. Aber das hier ist echt. Freie Männer nennen sie sich. Freie Männer, die sich – wenn sie sagen, dass sie es tun mussten, obwohl es falsch war – als unfrei erweisen, weil sie die Kraft zur Entscheidung an andere abgegeben haben. Freie Männer, die bis heute unfähig sind, sich ihren Taten zu stellen und die im Fernsehen gefeiert werden als jene, die einen möglichst humanen Weg der Tötung auszutarieren versuchten. Spätestens die letzten zwanzig Minuten folgen dann Szenen von unfassbarer Intensität, die auch die Frage nach dem Wert einer solch späten Einsicht aufkommen lassen. Wie viel ist ein Leben wirklich wert?

7/10

Samstag, 9. August 2014

"Antichrist" [DK, DE, FR, IT '09 | Lars von Trier]

 

Auf unzähligen Ebenen wurde „Antichrist“ inzwischen gedeutet und erforscht. Und sicherlich eröffnet von Trier durch zahlreiche Hinweise, Symbole aus Theologie und Mythologie, sowie die vielfältig interpretierbare Psychologie seiner Figuren, einen großen Raum für eigene Deutungsansätze, die dank der codierten Filmsprache auch entsprechend variieren können. Dennoch tendiere ich am Ende des Tages eher dazu, seinem Film ein aufgehendes, nahtlos in sich greifendes Gesamtkonzept zu versagen und „Antichrist“ vielmehr als assoziativen Seelenstriptease zu begreifen, als Versuch eines Regisseurs den eigenen Schmerz filmästhetisch zu übersetzen, vielleicht auch nur zu umschreiben und codiert (nonverbal) auszusprechen. Macht man sich nun also auf die Suche nach Antworten, wird „Antichrist“ scheitern, weil er selber nur von der Suche erzählt. Es folgen somit einige ungeordnete Beobachtungen, die ich auf die für mich wichtigsten Aspekte knapp heruntergebrochen habe. Für viele dürfte ich keine neuen Erkenntnisse formulieren und selbstverständlich erhebe ich keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

Trier zwingt seine Figuren im Prolog durch die Libido zur Handlungsunfähigkeit und setzt der Lust, den Hochgefühlen seiner beiden Protagonisten gleichzeitig das Grauen und die Unmittelbarkeit des Todes entgegen. Die Schaffung neuen Lebens ist hier nur ein Zimmer weit vom Ende eines anderen entfernt - ja, von Trier treibt diesen Kontrast sogar so weit, dass der Höhepunkt des Sexualaktes auf den Moment fällt, in dem der Akt des Todes seine Endgültigkeit erreicht. Das Erliegen der niederen Triebe, die Hingabe zur Lust, ist nun nichts weiter, als der scheinbare Grund für den Tod des Kindes. Infolgedessen ist Sexualität in „Antichrist“ immer auch mit Sünde, mit Schmerz und untrennbar mit dem Tod verbunden. Jedoch ist diese gestörte Wahrnehmung von Sexualität nur einseitig und auf die Frauenfigur beschränkt. Der Mann begreift Sexualität nach wie vor ohne die negativen Konnotationen, die aus dem Prolog für die Frau folgen.Womöglich ist das auch ein Grund für die Gewalt, die sich später gegen ihn richtet. 


Nun haben wir also zwei Figuren, von denen die eine (Dafoe) nur einen kurzen Moment der äußerlich verlautbarten Trauer zeigt und eine andere (Gainsbourg), die in schwere Depressionen verfällt. Dafoe scheint unmittelbar nach Ende der Trauerzeremonie einen souveränen Zugang zum plötzlichen Verlust gefunden zu haben, Gainsbourg dagegen nicht. Sie ist gar auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen und beansprucht diese auch für sich. Der Umgang zwischen diesen beiden Figuren im ersten Kapitel trägt auch gleichzeitig den Dualismus zwischen Moderne und Tradition in sich. Dafoe versucht sich den Ursachen der Symptome über moderne, therapeutische Methoden zu nähern und zieht psychologische Lehren seiner Profession zu Rate (Konfrontationstherapie). Mit dem Fortlauf der Geschichte stößt dieser Ansatz jedoch auf entfesselte Irrationalität.

Gainsbourg hat die Inhalte ihrer Dissertation, die vermeintlichen Wahrheiten des Christentums (Tradition) zu ihren Wahrheiten gemacht. Ihre Vernunft ist okkupiert. Interessant ist hier, dass der Unvernunft der Frau, die des Mannes vorausgegangen war, als er beschloss sie trotz fehlender emotionaler Distanz selber zu therapieren. Die zunächst klaren Positionen der Figuren zueinander, beginnen sich mit dem Betreten von Eden zu verschieben. Die dominante Figur des Mannes versucht zwar fortwährend die Kontrolle zu wahren, doch schon mit dem Aufstieg zur Waldhütte gerinnt in ihm ein erster, unausgesprochener Zweifel als er den verstorbenen Fötus eines Rehs erblickt. 


Dann führt „Antichrist“ die eingeführten Motive um Sexualität und Christentum weiter (und fügt mit Kindesmissbrauch und Hexenverfolgung weitere hinzu), macht es mir jedoch schwer, über die Offensichtlichkeiten hinaus zu Erkenntnissen zu gelangen. Offensichtlich ist, dass mit der bessernden Verfassung der Frau, der Mann in eine Art Lethargie verfällt. Die Mittel der modernen Psychologie haben scheinbar gefruchtet - „Freud is dead, isn't he?“. Zusätzlich dazu verschiebt sich die Wahrnehmung beider zur Natur. Die Frau besucht nun befreit die Orte, die ihr auf dem Hinweg noch Angst und Schmerzen bereitet haben (Brücke), der Mann trifft jedoch auf einen Fuchs, der sich mit den Worten „Chaos reigns!“ an ihn wendet. Währenddessen verspeist der Fuchs seine Innereien; das Äquivalent zu der Beobachtung, die die Frau gemacht hat, als ein aus dem Netz gefallenes Küken von einem größeren Vogel verspeist wird (natürliche Auslese → Darwinismus).

Der Mann findet anschließend eine Zusammenstellung der Materialien, die seine Frau für ihre Dissertation über Hexenverfolgung angesammelt hat. Schon zuvor macht er die Entdeckung, dass seine Frau für die Deformation der Füße ihres Kindes verantwortlich war, indem sie ihm die Schuhe einen gesamten Sommer über verkehrt herum anzog. Die Moderne versagt in dem Bestreben sich der Natur aufzudrängen, zumindest ihrem entrückten Verständnis von Moderne nach. Ihr Selbsthass scheint nun weit weniger irrational und die Zweifel des Mannes ganz konkret. Daraufhin kommt es erst zu Sex und dann mit dem Zerquetschen der Hoden des Mannes zu einer Gewalteskalation, die sich ganz konkret gegen dessen Sexualität richtet und mit der späteren Verstümmelung der Klitoris, die sich die Frau selber zufügt, auch gegen ihre eigene. Sie bestraft numher also nicht mehr nur sich selbst, sondern übernimmt angesichts ihrer verzerrten Wahrnehmung, Verantwortung für ihre Sünden (der Sex, der mit dem Tod ihres gemeinsamen Sohnes zusammenfiel). 


Die Geschehnisse in der Waldhütte gipfeln im Tod der Frau und ihrer anschließenden (Hexen-)Verbrennung. Dieser Klimax markiert jedoch nicht nur die Katharsis seiner Figuren, sondern verhindert auch eine Ankunft des Antichristen, den Frau und Mann zuvor vor einem in Leichen labenden Baum gezeugt hatten. Diese Szene erhebt die Männerfigur sogleich in den Status des Protagonisten und erklärt die Frau zum Antagonisten. Diese Verteilung der Geschlechter mag auch die Grundlage für die albernen Vorwürfe der Misogynie gebildet haben und zeugt lediglich von einer starren, verbohrten Filmrezeption, die jeden Krümel auf ihre Geschlechterrollen hin untersuchen muss, ohne die Narrative zu erfassen, um dann womöglich zu der Erkenntnis zu gelangen, dass ein solcher Film so, und nur so, funktionieren kann.

Was bleibt also festzuhalten? Wir haben eine Frau, die vom Gedanken besetzt ist, nur durch Selbstkasteiung und schließlich den Tod Erlösung zu finden und wir haben einen Mann, der zunächst den sicheren Hafen der Vernunft markiert, dann aber mit dem Erreichen seiner Ziele über die Werkzeuge der Moderne von Zweifeln belegt ist. Die Wahrnehmung der Natur wandelt sich immer nur mit der Verfassung der beiden Figuren, ist im einen Moment ein Hort, in dem das Chaos und der Stärkere regiert und im anderen eine spirituelle Ruhestätte. Das Hexenmotiv lässt uns in dem Glauben, dass am Ende Gerechtigkeit widerfahren ist. 

Vielleicht ist „Antichrist“ also nicht mehr als das: „Antichrist“ spielt klug mit Motiven und entwirft tatsächlich originäre Kinobilder von malerischer Schönheit. Er versagt sich aber auch einer dogmatischen Lesart und ist vielfältig auslegbar, und vielleicht ist das auch vollkommen okay, weil es der Diskussion über dieses wunderbare Medium nur zuträglich ist. Zudem beherbergt er das Kostbarste, zu dem Kino überhaupt fähig ist: er ist Ausdruck eines Künstlers, der sich uns offenbart; in allen, den dunkelsten, den ehrlichsten Facetten.

Donnerstag, 7. August 2014

"Cashback" [UK '06 | Sean Ellis]

 

Skurrilitäten-stapelnde Gimmick-Dramödie, britisch verschroben und immerzu säuselt ein selbst-besoffener Off-Kommentar etwas von echter Liebe, entdeckter Sexualität und der Magie nackter Frauenkörper. Aber eine Geschichte ohne echte Figuren ist nichts wert und formaler Einfallsreichtum (später mehr und mehr redundant seine ein, zwei ästhetischen Kniffe tot-inszenierend) nur dünne Makulatur. Die räudigen Randfiguren verdienen diese Bezeichnung nicht; sie sind lediglich auf wenige Eigenschaften herunter-rationalisierte Karikaturen ohne Gesicht und ohne Herz, entweder egal oder nervig, weil keine Figuren abseits des lahmen Protagonisten geduldet werden. Der pubertäre Tittenhumor degradiert die eigentlich ganz interessante Prämisse des Films und die finale Konklusion, die die Kunst als verbindendes Medium stilsicher zelebriert, dann endgültig zur Beliebigkeit. Ja, selbst wer hier für Möpse kommt, wird nur bedingt befriedigt.

3/10

Samstag, 2. August 2014

Zuletzt gesehen: Juli 2014


"Amistad" [US '97 | Steven Spielberg] - 5/10

"Stripes" [US '81 | Ivan Reitman] - 3/10

"Sexy Beast" [US '00 | Jonathan Glazer] - 5.5/10

"Birth" [US '04 | Jonathan Glazer] - 7/10

"Swingers" [US '96 | Doug Liman] - 6.5/10

"Valhalla Rising" [DK, UK '09 | Nicolas Winding Refn] - 5/10

"Elephant" [US '03 | Gus van Sant] - 6/10

"12 Years a Slave" [UK, US '13 | Steve McQueen] - 6/10

"I saw the Devil" [KR '10 | Jee-woon Kim] - 4/10

"Prisoners" [US '13 | Denis Villeneuve] - 5.5/10

"Her" [US '13 | Spike Jonze] - 5/10

"Silver Linings Playbook" [US '12 | David O. Russell] - 4/10

"The Raid 2" [ID, US '14 | Gareth Evans] - 5/10

"Willkommen bei den Rileys" [US '10 | Jake Scott] - 5/10

"Die Dolmetscherin" [US '05 | Sydney Pollack] - 4/10

"A Perfect World" [US '93 | Clint Eastwood] - 6/10

"Matinée" [US '93 | Joe Dante] - 5.5/10

"Love Exposure" [JP '08 | Shion Sono] - 7.5/10

"Der Gott des Gemetzels" [FR '11 | Roman Polánski] - 6/10

Dienstag, 29. Juli 2014

"The Raid 2" [ID '14 | Gareth Evans]

 

Bauerntheater! Keine Ahnung wer hier auf die Idee kam, man müsse ernsthaft eine Geschichte erzählen. Inhaltlich erweist sich „The Raid 2“ nämlich, oh Wunder, eher als Schmalspur-Version eines Scorsese-Epos, dessen einzige Parallele wohl noch die exorbitante Laufzeit darstellen dürfte. Und das ist ein Problem, das auch mit dem Verweis darauf, dass das alles ja Genre-Kino sei und eine solche Art Film keine gute Geschichte brauche, oder Figuren, die funktionieren oder andere Dinge, die eine scheinbar deplatzierte Erwartungshaltung ernsthaft zu fordern die Frechheit besitzt, nicht aus der Welt zu schaffen ist (als bedeute Kino in starren Kategorien zu denken). 

Schließlich, und das ist ein Ausruf der mir bei der Besprechung des neuen, Genre-erschütternden Ultra-Hits aus Indonesien immer wieder begegnete, solle es doch nur mal wieder richtig saftig „auf die Fresse geben“. So richtig schön handgemacht, so richtig schön derbe. Männerkino halt, mit dem Jever im Anschlag und dem Hirn auf Durchzug. Geil! 

Doch das Handlungsgerüst von „The Raid 2“ stellt ein Problem dar, weil sich Evans offenbar dazu anschickt, neben den zweifelsfrei im Handlungsmittelpunkt stehenden Kämpfen, auch eine epische Gangster-Ballade zu erzählen und somit Figuren zu entwickeln, Szenarien zu installieren, Zwiste herzuleiten oder Schicksale zu besiegeln. Ein nicht unerheblicher Teil der Laufzeit gilt der Geschichte; Momenten also, die auf Schauspieler und Autoren-Talent angewiesen sind. „The Raid 2“ hat jedoch keine Schauspieler - und Evans ist kein Autor. 

Die Figurenskizzen sind ausschließlich Mumpitz, die Schauspieler entweder chronisch unterfordert (nochmal Glück gehabt: Uwais) oder hoffnungslos überfordert (kein Nicholson: Abbad | kein Schauspieler: Putra) und Evans scheint sich vornehmlich mit der Aneinanderreihung fußlahmer Genre-Standards (vom frustrierten Sohn, der die Seiten wechselt) und einem heruntergedooften Story-Plagiat zu begnügen. Hier bläht Evans unnötig auf, wo es doch eigentlich nichts zu erzählen gibt. 

Doch bevor jetzt von allen Seiten Kloppe droht: Natürlich sind die Fähigkeiten dieser Martial-Arts-Künstler phasenweise atemberaubend, die Kämpfe wuchtig und zweckdienlich choreographiert und der logistische Aufwand, diese unzähligen Plansequenzen in dieser Form umzusetzen, sicherlich nur mit absoluter Hingabe zu betreiben (Budget: 4,5 Mio. Dollar). Im Angesicht etwaiger Nicht-Alternativen aus dem angelsächsischen Raum ist der Hype um „The Raid 2“ nur nachzuvollziehen, ihn aufgrund seiner aufwendigen, nichtsdestotrotz unscharfen und viel zu verwackelten Fights jedoch direkt in den Genre-Olymp zu erheben, täte dem Genre dann doch ein wenig Unrecht. Wer sonst Scheiße frisst, dem schmeckt auch Trockenbrot. Das US-Remake wurde inzwischen bestimmt bestätigt. 

5.5/10