Samstag, 23. August 2014

"Dressed to Kill" [US '80 | Brian de Palma]

De Palma hat es tatsächlich vollbracht. „Dressed to Kill“ hätte in ganz ähnlicher Form auch von einem gut gelaunten Hitchcock stammen können. Weite Teile seiner Handlung treibt de Palma ohne ein einziges gesprochenes Wort voran und besinnt sich einzig und allein auf die filmischen Mittel, die ihm zur Verfügung stehen. Deswegen ist de Palma im Kino, und nur im Kino, wirklich Zuhause. Die Geschichte einer offenkundig sexuell getriebenen, spontanen Affäre benötigt in diesem Zusammenhang auch keine Worte, die sie verlautbart, sondern kann ausschließlich über Bilder, über Gesten und Blicke, sowie treibende Kamerabewegungen erzählt werden. Es scheint also bezeichnend, dass der einzige Versuch das Wort an die namenlose Liebschaft zu richten, in einem leidenschaftlichen Kuss erstickt, dem alsbald eine tiefer gleitende Hand und ein verlorenes Höschen folgt – alles im Taxi, versteht sich. Dauerbefeuert vom orchestralen Pomp Donaggio's, dessen Score nur eine Richtung zu kennen scheint, und zwar die, die unaufhörlich, unermüdlich, unnachgiebig nach vorne prescht, bis auch der hinterletzte Vollhorst verstanden hat, wem dieses dauergeile, übersexualisierte Thriller-Puzzle gilt, das mit gelegentlicher Subtilität gar überlebensgroße, zeitlose Momente von berstender Spannung kreiert (U-Bahn). Auf einen alles erklärenden Plausch eine abermalige Konfrontation folgen zu lassen, jeder final wirkenden Szene eine weitere anzuhängen und den Film so immer weiter zu verschachteln, erweist sich als simpler, aber spannender Kniff. Wer mag, darf de Palma auch hier die üblichen Vorhaltungen machen - Misogynie lässt grüßen. Wer das aber ernsthaft in Erwägung zieht, dem ist eh nicht mehr zu helfen. De Palma erweist sich einmal mehr als ungeheuer moderner Filmemacher, der dem Konzept einer Hommage mit schier grenzenlosem, inszenatorischem Enthusiasmus begegnet - und der Nerd bekommt am Ende das Mädchen. 

7/10

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