Montag, 12. November 2012

"Skyfall" [UK, US '12 | Sam Mendes]

Schlecht ist er ja nicht - dieser neue, analoge Bond. Aber eben auch so weit entfernt von jenem filmischen Großereignis, als dass er von Presse und Publikum bislang weitläufig und vielfältig gefeiert wurde. Vielleicht ist es ja wirklich die Nostalgie, die diesen 23. Bond für viele zu einem solch herausragenden Erlebnis werden ließ. Mendes spart nämlich nicht mit allzu offensichtlichen Querverweisen, unzähligen Verbeugungen und der Reanimation einer ganzen Reihe ikonischer Franchise-Elemente. Mendes' „Skyfall“ schwelgt so sehr und so genüsslich in den Erinnerungen einer nun schon 50 Jahre währenden Filmreihe, dass er dabei vergisst eine gute Geschichte zu erzählen. Denn wirklich etwas zu erzählen hat Mendes eigentlich nicht und das, war er uns schließlich in akuter Überlänge zu erzählen gedenkt, ist ausgesprochen schwach. Daran weiß auch ein guter, aber ebenfalls nicht herausragender Javier Bardem wenig zu ändern.

Pluspunkte gibt es derweil für die sparsam eingestreuten und angenehm übersichtlich inszenierten Action-Einlagen, die auch von einem Nolan stammen könnten: Hier fliegen Dinge noch wirklich in die Luft, treffen Schüsse noch auf Widerstand und kollidieren Helikopter (!) noch mit Herrenhäusern (!!) - immer begleitet von einer wuchtigen Soundkulisse. Es ist zweifelsohne ein spektakulärer Bond; einer der dem Jubiläum schon in gewisser Weise gerecht wird, aber auch einer der vertanen Chancen. Denn so sehr sich Mendes auch als tadelloser Action-Regisseur erweist - was für sich schon eine sehr angenehme Überraschung ist - so wenig scheint der Brite am weiteren Inhalt interessiert zu sein. Der dumme Plot nervt, vermeintlich smarte Dialogzeilen wollen nur selten zünden und man hat fortwährend das Gefühl, dass man aus diesem Gegenspieler deutlich mehr hätte machen können.

Dabei beginnt doch alles so vielversprechend: Nach einer furiosen Eingangssequenz, gefolgt von einem der schönsten Bond-Intros, unterlegt von einem der besten Bond-Songs, beginnt das neue Abenteuer in den eigenen Reihen - beim MI6. Ein grandioser Ralph Fiennes hat dabei leider viel zu wenig Screentime und Craig bleibt der distanzierte, eiskalte Profikiller, dessen angedeuteter psychologischer Exkurs aber nie wirklich ernsthaft verfolgt wird. Dennoch hat die neu geschaffene Ausgangslage durchaus Potenzial. 

Leider beginnt „Skyfall“ schon während der Shanghai-Episode mächtig zu lahmen, ehe Bardem's recht spätes, erstmaliges Auftauchen wieder für etwas Drive in der orientierungslos erzählten Geschichte, mitsamt selten überflüssigem Bond-Girl sorgt. Und genau dieser Umstand, plus der angesprochenen Stärken ist es dann auch, der „Skyfall“ zu einem ganz guten Bond-Film werden lässt. Auch wenn Mendes den sicherlich sehr lobenswerten Ansatz der Franchise-Reflektion und die zunehmende Fokussierung auf das überschaubare Figurengefüge nie wirklich befriedigend umzusetzen weiß. Schade, ja. Es hätte aber auch deutlich schlimmer kommen können.   

6/10

Kommentare:

  1. Toll geschrieben, _Garfield! :-)

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  2. Schön zu lesen, dass ich nicht der Einzige bin, den SKYFALL nicht vollständig überzeugen konnte.
    Die meisten Kritiken haben sich in ihren Lobeshymnen ja ständig übertroffen.

    Sicher Mendes' Bond ist schön fotographiert und besser als der Vorgänger (was M.E. auch nicht allzu schwer ist).
    Aber der Film ist ganz sicher kein Meisterwerk und nicht einmal ein herausragender Bond-Film.
    Was sicher nicht an Daniel Craig liegt, dessen Interpretation der Rolle mir außerordentlich gut gefällt.

    Bond als Filmfigur ist ein Kind seiner Zeit.
    Jeder Versuch in zu modernisieren trägt zur Entmystifizierung bei.

    Was von Skyfall bleibt ist ein handwerklich gut gemachter Film (was man bei dem Budget ja auch erwarten darf), der überlang geraten ist und leider weder nachhallt, noch wirkliche Spannung bietet.

    Kein Drama, aber dennoch irgendwie schade.

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