Freitag, 13. Dezember 2013

"Spider-Man" [US '02 | Sam Raimi]

Die vitale Entdecker-Phase eines gemobbten Nerds, und damit die sensationelle erste Hälfte, versteht Raimi in erster Linie als Variation bekannter Coming-of-Age-Motive. Am schmierigen Highschool-Rowdy lässt sich die gestählte Physis dann auch wunderbar demonstrieren, während selbst Parker das Wände-Krabbeln und Spinnennetz-Verschießen erst einmal erlernen muss, ehe er beflügelt vom unfassbaren Elfman-Score durch New York's Hochhaus-Schluchten schwebt. 

Von den ersten Schlafanzug-Versionen seines späteren Helden-Outfits bis hin zum obergeilen Wrestling-Cage-Match (Weggefährte Campbell wird ein herrliches erstes Cameo spendiert und anschließend zum Namensgeber ernannt) – den Findungsprozess einer Pop-kulturellen Ikone macht Raimi ganz konkret zum Thema dieses ersten Films. Schön, dass er Maguire dabei auch mal zum kleinen Arschloch mutieren lässt, ehe die unglückliche Verkettung von affektivem Fehlverhalten und Schicksals-haften Zufall sein großes, Weg-weisendes Opfer einfordert - „with great power, comes great responsibility“

Der Comic-gemäßen Überhöhung setzt Raimi immer echte Figuren entgegen: Tante und Onkel versuchen sich finanziell über Wasser zu halten, verzweifeln am IT-regierten Arbeitsmarkt, Norman Osborn sitzen skrupellose Militärs und Kaffee-schlürfende Wirtschafts-Bonzen im Nacken und Parker wird zunächst nur zum Held der stillen Hinterhofgespräche. 

Später dann, wenn Parker zu Spider-Man und „Spider-Man“ zu „Spider-Man“ wird, erweist sich der erste Ausflug des Spinnenmanns einmal mehr als Blockbuster-Kino von außergewöhnlicher Qualität; Kino voll von raffinierten Übergängen und abwechslungsreichen Action-Choreographien; kreatives, frisches Kino voll wunderbarer Figuren und dem schönsten Kuss der Filmgeschichte. „Spider-Man“ sucht in seinem knackigen Auge-um-Auge-Duell schließlich vor allem die ganz direkte physische Auseinandersetzung, statt die vorangegangenen Action-Set-Pieces nochmal potenzieren zu wollen. Und wenn Dafoe verrückt spielen darf, ist eh alles vorbei. 

7.5/10

Kommentare:

  1. Der erste (und noch einen Ticken mehr der zweite) SPIDER-MAN von Raimi gehören zu meinen Lieblingen der mittlerweile von mir verhassten Superhelden-Verfilmungen. Ich kann mit dem Genre einfach nichts mehr anfangen - aber die Rückkehr zu Raimis Interpretation wage ich dann doch immer wieder gerne - und werde mit toller Unterhaltung belohnt.

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    1. Geht mir da ganz ähnlich, gerade von den primär auf Franchise ausgerichteten Marvel-Filmen, mitsamt all der Ankündigungen für weitere Spin-offs, Prequels, Remakes und Sequels, fühle ich mich seit geraumer Zeit zusehends übersättigt.

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