Dienstag, 11. September 2012

"Inglourious Basterds" [US '09 | Quentin Tarantino]

Irgendwo zwischen martialischer Rachefantasie, dialogintensiven Glanzstück und grandios inszenierten Zitate-Spektakel, feierte „Inglourious Basterds“ nach Jahrzehnten der Planung, des Umschreibens und der Wiederaufnahme 2009 endlich seine Premiere. Und ein wenig mutet Tarantino's bizarrer Geschichtsausflug in Nicht-Geschichte so an, wie die Besinnung auf die (guten) alten Zeiten. Die Zeit, in der „Pulp Fiction“ ihm nach seinem Debüt „Reservoir Dogs“ den endgültigen – und auch wohlverdienten – Durchbruch bescherte also. Und so gestaltet sich „Inglourious Basterds“ in zweierlei Hinsicht als Ausflug in längst vergangene Tage. Die zwanzig-minütige Eingangssequenz, mustergültig in seinem Zusammenspiel aus Dialogzeilen, auditiver Untermalung und Figurenexposition, stellt deshalb nicht umsonst eines der stärksten und garantiert lange im Gedächtnis bleibenden Kapitel in dessen Film dar. Mehr denn je, kreiert Tarantino Momente von nervenzerreißender Spannung. Große Entdeckung ist selbstverständlich nach wie vor Christoph Waltz, dessen Charakter irgendwo zwischen absurder Nazi-Karikatur und perfidem Massenmörder angelegt zu seien scheint und der – und das macht ihn zu solch einem besonderen und letztlich auch bedrohlichen Gegenspieler – nie wirklich durchsichtig ist in dem was er tut und denkt. Zum trashigen Showdown hin, scheinen Tarantino aber allmählich die Ideen auszugehen. Dann werden Hitler-Wachsgesichter bis zur Unkenntlichkeit zerschossen (fast so als sei der Ursprung allen Übels in diesem kranken Geiste zu verorten), Nazi-Generäle inmitten eines Feuersturmes wie Vieh abgeschlachtet und das Publikum feiert die Chose ab, als sei die Sache damit erledigt. Aber solange alles unter dem Deckmantel des Trash geschieht, darf an Tarantino ja kein Anspruch gestellt werden. Es muss, es soll Spaß machen, tolle Dialoge liefern und jeden tiefergehenden Anspruch meiden. Ist halt alles nur ein großer Gag. 

7/10

Kommentare:

  1. An Tarantino darf schon (und muss!) Anspruch gestellt werden, etwas, was er spätestens seit JACKIE BROWN kontinuierlich bestätigte und in KILL BILL auf einen ersten Höhepunkt trieb, kein quatschiges Nerd-Kino mehr zu machen, sondern kluges Meta-Kino mit menschlicher Wärme. IB selbst halte ich zwar in der Gewichtung der unterschiedlichen Miniepisoden für dezent zerfahren (du sprachst ja das Finale an, in dem sich jedoch die zuvor aufgestaute Wut kongenial entlädt), aber auch überaus komplex - ein Kritiker schrieb, dass Tarantino als amerikanischer Filmemacher weit mehr über unsere Geschichte auszusagen hätte als ein deutscher mit dem Pathos, dass so etwas nie wieder geschehen dürfe.^^

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    1. Ich mag seine Filme ja auch, aber ich erwarte inzwischen mehr von ihm. Mir wurde das zum Ende hin zu plump, wenngleich Tarantino hier Dialoge abliefert, die zum besten gehören, was ich je hören durfte. ;)

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  2. Das Optimum einer Liebeserklärung. Hier pulsiert KINO in Reinform und zwar durch jede verdammte Szene; grandioser Film meiner Meinung nach. Toller Text, zu wenig Punkte... :-D

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