Montag, 13. August 2012

"Phone Booth" [US '02 | Joel Schumacher]

Ursprünglich von Suspense-Meister Alfred Hitchcock („Vertigo“, „The Birds“) entwickelt, dann kurzzeitig mit Explosions-Fetichist Michael Bay („The Island“) auf dem Regiestuhl besetzt, erhielt schließlich „Batman & Robin“-Regisseur Joel Schumacher den Zuschlag für das Projekt „Phone Booth“. Und am Ende ist wohl tatsächlich irgendetwas zwischen den beiden zunächst angedachten und gänzlich unterschiedlichen Regisseuren dabei herausgekommen. Farrell spielt großartig und bleibt einziger Sichtungs-Grund, denn alles andere ist, obgleich überwiegend nicht nennenswert schlecht, unnötiger und bisweilen auch wirklich nerviger Zusatz (die keifenden Prostituierten). Whitaker spielt mal wieder sich selbst, Holmes sieht nett aus, spielt aber lediglich eine gesonderte Rolle und auf störende, weil schlichtweg irrelevante Nebenfiguren (der penetrant nervende Cop, der Whitaker ständig von der Seite anquatscht) hätte eigentlich ebenfalls verzichtet werden können. Herzstück bleibt der Plot-bestimmende Dialog zwischen Opfer und Täter und der damit einhergehende Diskurs über Moral, Schuld und Scheinexistenz. Gerade das finale Geständnis von Farrell ist beeindruckend. Er bleibt fortwährend glaubwürdig, verliert nie den Kontakt zu seinem Zuschauer und glänzt gerade in den leisen Momenten. „Phone Booth“ funktioniert als Kammerspiel, umso ärgerlicher ist es, dass Schumacher sich scheinbar nie vollends auf sein Konzept zu verlassen wagt. Stattdessen scheint er dem Irrglauben aufgesessen zu sein, Dynamik einzig durch die Verwendung möglichst vieler Close-Ups und teils wirrer Kameraschwenks evozieren zu können. Schumacher versäumt es mit der selben brutalen Konsequenz auf seinen Hauptdarsteller drauf zu halten, wie der Täter auf sein hilfloses Opfer, die kleinen Nuancen in Farrell's Spiel festzuhalten und voll auszukosten, sowie die langsam voranschreitende Katharsis in all ihren Stadien und all ihren emotionalen Ausbrüchen zu dokumentieren. „Phone Booth“ bleibt zu oberflächlich, um einem Hitchcock gerecht zu werden, ist aber gleichzeitig zu clever, um als bloßes Entertainment-Produkt abgetan zu werden. Irgendwo dazwischen und damit auch irgendwie nie wirklich befriedigend.

6/10

Kommentare:

  1. Hmm...Wertung geht völlig in Ordnung, aber der Text kommt doch eher negativ rüber.
    Worin wir uns einig sind, ist die herausragende Leistung des Hauptdarstellers. :)

    seven

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lag womöglich daran, dass ich etwas verärgert war, ob des nicht genutzten Potenzials. Farrell halte ich sowieso für einen prinzipiell guten Darsteller. :)

      Löschen