Sonntag, 4. Oktober 2015

"Alles steht Kopf" [US '15 | Pete Docter]

Die Erkenntnis von Riley am Ende ist eine extrem gewichtige: Kummer zuzulassen und offen auszuleben ist auch eine Form der Kommunikation, die Signale sendet, um gehört zu werden und sich schlussendlich geborgen zu fühlen. Dann kann in den Armen der Eltern aus einer Träne auch wieder ein Lächeln erwachsen. Hierzulande kommentiert man die Loblieder auf den Wert der Familie, die ja gerade beim Disney-Konzern in jeder Produktion inbegriffen sind, stets mit einem gewissen Zynismus. „Inside Out“ jedoch legt die Funktion der Familie als Auffangnetz und Rückzugsort in wenigen Szenen umso eindringlicher dar, weil der Film die Auswirkungen eines gesunden Familienlebens durch die Prämisse, sich im Kopf eines heranwachsenden Mädchens zu befinden, unmittelbar spürbar macht. Riley muss sich zeigen, um gehört und schließlich verstanden zu werden. Ihre kleine Welt bricht zusammen, weil sie sich in sich zurückzieht und das Gefühl hat alleine auf dieser Welt zu sein. Sie lernt, dass jede Emotion eine Facette ihrer Selbst ist und dass keine Identität, sondern Identitäten ihr Selbst ausmachen. Und dabei ist keine Emotion überflüssig – das darf sogar das traurige Pullunder-Mädchen in ihrem Kopf lernen, das sich mit Freude im Langzeitgedächtnis verlaufen hat. Alleine dieser Satz gibt einen Ausblick auf die wundersame, wahnwitzige Welt, die wir in „Inside Out“ besuchen dürfen. Sie fordert Kinder und kreiert eine Fallhöhe, die sie auf der Kante ihres Sitzes hocken lässt - selbst wenn ich dabei nicht fortwährend gefangen war.

6/10

Kommentare:

  1. Wie gesund das Familienleben von Riley ist, würde ich trotz der schönen Erinnerungen in Zweifel ziehen wollen. Die führende Emotion der Mutter ist Kummer, die beim Vater Wut. Zumindest für die Ehe (die Fantasie mit dem Helikopter-Heini außen vor) spricht das nicht gerade dafür, dass alles im Reinen ist. Gut möglich, dass ich da auch nur zu viel reinlese.

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    1. Sehe ich komplett anders. Trotz des Stresses mit dem Umzug und etwas weniger Zeit für Riley sind sie vorbildliche Eltern, die sie immer wieder nach ihrem Gemütszustand befragen. Auch bei den vorherrschenden Emotionen kann ich dir nicht zustimmen.

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