Sonntag, 28. Juni 2015

"Game of Thrones" [US '15 | Season 5]

"Game of Thrones" nervt das erste Mal ein bisschen. Und das über die gesamte Staffel hinweg, an kleinen, aber entscheidenden Stellen. Wie jemand, der dich alle zehn Minuten mit einem Zahnstocher pikst, über zehn Wochen verteilt. Dabei vermag die Serie nach wie vor mitzureißen und zu bannen. Nur scheinen die Macher auf sich alleine gestellt verloren: Dorne ist staubtrockenes, pseudo-dramatisches Figurengeschiebe, dessen Sinn einzig und allein darin besteht, zentralen Figuren etwas zu tun zu geben, solange andere Handlungsstränge (King's Landing) aus ihrer Abstinenz (Jaime) zerfasertes Seemannsgarn spinnen können.

Die Sand Snakes nerven besonders. Sie markieren die "starken" Frauen (weil ja jede Frau, die nicht stark ist, automatisch weniger feministisch), die jene Form von Feminismus repräsentieren, wie ihn sich vermutlich (oder hoffentlich) nur männliche Serienmacher ausdenken können. Wären die Sand Snakes Männer, würden sie Machos genannt - und das zu Recht. Dass man Machos in die Lebenswirklichkeit der Serienwelt einschließt ist dabei vollkommen konsequent, und wird mit Bronn seit Jahren von einer der beliebtesten GoT-Figuren genüsslich ausgespielt. Möchte man diesem Macho nun also ein weibliches Pedant gegenüberstellen, im Zuge einer seltsam gearteten Form von Gleichberechtigung, sollte man den Hardlinern unter den feministischen Filmtheorien jedoch nicht so dilettantisch in die Hände schreiben. Der Blick auf die Sand Snakes ist immer männlich kodiert. Er ist nur der Titten-Quote verpflichtet, und keinem Stück seinen Buchfiguren.

Zudem kehrt nun auch der religiöse Fanatismus in Westeros ein und mit ihm weitere Figuren. Die sind so wenig feministisch wie die Sand Snakes, und im Grunde ziemlich blöd, haben aber immerhin den Vorteil von Märchenonkel Jonathan Pryce angeführt zu werden. Neben dem Lord of Light, der im Norden unter dem Banner Stannis Baratheon's für Angst und Schrecken sorgt, wirft dieser nun also die einstige Ordnung in King's Landing um, straft das System gnadenlos Lügen und wirft ein seltsames Licht auf die herrschende Schicht. Denn wirklich Sinn macht die Integration der Bruderschaft in King's Landing nicht. Woher nehmen sie die Macht, vor allem das militärische Durchsetzungsvermögen einfach mal die Königsfamilie abzusetzen? Warum nehmen sie nicht Littlefinger fest? Warum gibt niemand Jaime Bescheid?
 
Natürlich ist solche Kritik pedantisch, nach Logiklücken zu suchen und in ihnen zu bohren. Andererseits begleitet „Game of Thrones“ nun schon fünfzig Episoden über fünf Jahre hinweg, spielt Schach auf einem riesigen, fantastischen Fantasy-Kontinent, ordnet Parteien an und beendet jäh das Leben jener, die sich entschieden haben im Kampf um den Thron alle anderen hinter sich zu lassen. Das soll heißen, dass diese Serie nur solange dramaturgisch funktionieren kann, wie sie inhaltlich konsistent und nach logischen Gesetzmäßigkeiten konstruiert ist. Dumme Drehbücher konterkarieren das, was die Welt hermetisch gemacht hat und das Mitfiebern lohnenswert. Ist darauf kein Verlass mehr, wird mitdenkenden Fans die Grundlage dafür entzogen sich über die einzelnen Episoden hinaus in die Welt und die Handlungen ihrer Figuren zu begeben. „Game of Thrones“ sollte an sich selbst den Anspruch stellen einem erneuten Blick standhalten zu können - gerade in den Details und den Randnotizen. Das macht eine solche Serie meiner Meinung nach aus.

Apropos dumme Figuren: Ramsay Bolton ist immer noch sadistisch und grinst auch so. Darauf beschränkt sich seine Figur nämlich weiterhin. Und die Serienmacher (und vermutlich auch Martin) genießen es, sein Ende möglichst weit hinauszuschieben, wenngleich mit dem Nicht-Verbrennen der Leichen nach der Schlacht gegen Stannis, dessen Handlungsstrang in erschütternder Nüchternheit abgehakt wurde, ein erster Schritt zum Ende der Boltons getan ist und Sansa den Irrwegen der Serien-Autoren mit der finalen Episode endlich zu entfliehen wusste. Auch wenn man von fünfzehn Meter hohen Mauern nicht springen sollte.

Die letzten drei Episoden und die Geschehnisse an der Wall machen in Season 5 jedoch soviel Spaß wie nie. Mit Jon Snow einer idealistischen Heldenfigur zu folgen ist ungeheuer befreiend und feiert in seinen Abenteuern jenseits der Mauer jenes High Fantasy-Element, das seit den ersten Episoden wieder langsam Einzug erhielt und sich nun ganz sichtbar in Westeros manifestiert. Sowohl im hohen Norden als auch bei Targaryen in Essos, deren Geschichte durch gezielte Highlights (Sons of the Harpy) zumindest bei der Stange hielt. Auch das Abweichen von der Buchvorlage ist theoretisch eine willkommene Option, um neben den Büchern quasi eine alternative Zeitlinie zu eröffnen, sollte aber gründlicher ausgearbeitet werden. Nächstes Jahr also gerne wieder soviel Mut zum Bestreiten neuer Wege, nur dann vielleicht auch mit Autoren, die schreiben können. 

6/10 

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