Samstag, 18. April 2015

"Lemming" [FR '05 | Dominik Moll]

„Lemming“ knetet die Gehirnwindungen durch. Wendungsreich schlägt er Haken, verfestigt sich, wird klarer, sichtbarer, um dann wieder Nebel-umschwungen abzutauchen. Von hier nach dort, und überhaupt. Alain (Laurent Lucas) jedenfalls lässt sich die Gehirnwindungen durchkneten. Bis nicht mehr sicher scheint, ob zu glauben, was scheint, ein kluger Ratgeber ist. „Lemming“ ist ein Kopffilm, was heißt, dass der Kopf eingeschaltet sein muss, sollte, zumindest um ein Maximum des Spaßes für sich herauszudestillieren. Der besteht darin, sich kneten zu lassen, mitzudenken, notfalls um die Ecke, um schließlich zu der Einsicht zu gelangen, dass das alles viel einfacher war, als zunächst gedacht. Aber das ist egal - der Weg ist das Ziel. Softer Mindfuck ohne Kuscheln, aber mit launigem Vorspiel. Im Vorzeigepärchen – jung, erfolgreich, die Mitte gefunden – spiegelt sich schließlich die gescheiterte Ehe des Firmenchefs und seiner Gattin wider. Bei ihm pumpt das Blut immer noch in allen Körperregionen, sie ist erstarrt, verbittert, säuerlich, spielt lustvoll das Sandkorn, das das feine Radwerk aus seiner beständigen Ordnung wirft. Was bleibt vom Aufrechten, Perfekten, wenn alles was Halt und Sicherheit versprach plötzlich genommen wird? Dementsprechend wirft „Lemming“, so abgedroschen es auch klingt, tatsächlich einen Blick in die Abgründe des Menschseins, oder dem, was man unter dem gezeigten Lebensentwurf versteht. Frostig, die Stimmung, die Menschen, die Worte, die prosaisch aneinander gerichtet werden. Entfesselt die Kraft, die in einem schlummert, die wieder alles in geordnete Bahnen zurückzuwerfen versucht. Mit aller Entschiedenheit, entschlossen, verzweifelt. Das Wiederaufgreifen von Momenten in einem anderen Kontext, die erzeugten Déjà-vu's, die Identitäten, die verschwimmen, bis nicht mehr klar ist, wer was weiß und ob er lügt und warum überhaupt – sie sind wirkungsvoll, und verwirrend. Irgendjemand ist in diesem verzwickten Figurenkabinett verrückt geworden. „Lemming“ macht recht klar wer es ist, auch wenn er einem Glauben machen möchte, dass er es ist - du da, der da blickt.

6/10

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