Samstag, 21. März 2015

"Jack Reacher" [US '12 | Christopher McQuarrie]

Jack Reacher also. Man muss ihn zu schätzen lernen. Zunächst scheinbar nicht einlösend, was ein Blick in die ehrfurchtsvoll rezitierte Akte oder ein graziler Frauenkörper und das Klicken eines BH's vor Skyline-Panorama verspricht: eine Bombe im Bett und der beste seiner Klasse. Purple Heart, Dreißig Zentimeter, Academy Award, Bundesverdienstorden. Dann kommt Tom Cruise, der - hat man erst einmal kapiert, dass Reacher nicht Reacher, sondern Cruise ist - ganz plötzlich seine Vorzüge offenbart. Mit Ruhe und Gravitas spielt Cruise nach bombastisch erfolgreichen Karrieredekaden auch gegen den Schatten dieser 1,95 Meter-Bestie an. Und dieser Reacher gefällt: ein kluger Pragmatiker, freundlich, kaum arrogant, im richtigen Moment unbarmherzig zupackend. „Jack Reacher“ ist ohne überflüssige Kalorien komponiert, straff und vor allem konzentriert erzählt, mit der Ruhe eines Jack Reacher's operierend. Jede Einstellung hat ihren Platz, jede Geste ihre Bedeutung. Auch Action darf wieder gesehen werden, selbst wenn die Verfolgungsjagd nicht hundertprozentig das einzulösen vermag, was sie verspricht und Werner Herzog komisches Zeug brabbelt. Trotzdem sollte „Jack Reacher“ gesehen werden, weil er wieder einen Helden sichtbar macht, der viel zu lange abstinent war. Kein Arschloch, nicht perfekt, kein Schürzenjäger. Ich mag Jack Reacher. Nein, ich mag Tom Cruise. 

6/10

Keine Kommentare:

Kommentar posten