Freitag, 31. Januar 2014

"Das deutsche Kettensägenmassaker" [DE '90 | Christoph Schlingensief]

Was für ein schmuddeliger Drecksfilm! Die Mauer fällt und eine Metzger-Familie dreht am Rad. Ein Film, der trotz seiner klaren zeitlichen Verortung, wie aus der Zeit gefallen scheint – jeder Zeit. In seinen besten Momenten erinnert Schlingensief's inkohärentes Wende-Massaker an die experimentellen Frühwerke eines David Lynch, in seinen schwächsten an eine Talent-befreite Schüler-Produktion auf Speed. Die referierten Vorbilder - von „Psycho“ bis zum Titel-gebenden Texas-Massaker – sind aber immer präsent, die Figuren entfesselte Marionetten, denen der Wahnsinn als Bestandteil dieses Alptraum-haften, surrealen Kosmos ins Blut-verschmierte Gesicht geschrieben steht. Manche Szenen scheinen zum Teil unzusammenhängend hintereinander aufgereiht. Deutsches Stinkefinger-Kino, das so laut fuck you schreit und benommen mit der Kettensäge hantiert, dass man kurzzeitig jubeln möchte. Kino, dem egal ist, was man von ihm hält und dessen Schauspieler so herrlich selbstbesoffen von einem Extrem ins nächste torkeln. „Das deutsche Kettensägenmassaker“ aber – und das sollte man nicht vergessen – ist auch Genre-Kino. Deutsches Genre-Kino. Einer dieser raren, so verdammt raren Filme aus unserem Land mit einer ordentlichen Portion Eiern, die aus ihrer Leidenschaft für den großen Bruder aus Übersee keinen Hehl machen und sich trotzdem eine nationale Identität bewahren. Einfach sensationell bekloppter Scheiß. Laut, konfus, blutig, schlecht, einzigartig. Ein Metzger-Film eben. 

6/10

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