Donnerstag, 10. Oktober 2013

Star Trek-Retro #3 - The Next Generation

„Star Trek VII: Generations“ [US '94 | David Carson]

Ganz zu Anfang übernimmt die alte Garde noch ein allerletztes Mal das Ruder, ehe der Staffelstab nach 15 Jahren und 6 Kinoauftritten endgültig an die neue Generation übergeben wird. Natürlich kreist in diesem siebten Film alles um den vollzogenen Generationswechsel, die neue Crew (Data gefällt emotionslos besser als im aufgedrehten ADS-Modus) und ganz besonders den neuen Captain der Enterprise (B): Picard. Und dieser neue, menschlichere Captain darf sogar ganz hemmungslos Gefühle zeigen, auch mal eine Träne verdrücken und ist weniger als sein ikonischer Vorgänger Shatner um die große Pose bemüht. Überhaupt erweist sich „Generations“ vor allem als ein Film über seinen Captain, der im Gegensatz zum Duo Spock/Kirk auch ganz für sich alleine stehen kann. Für Handlung ist in diesem emotionalen und nun wirklich ganz endgültigen Abschiednehmen sowieso nicht viel Platz; und das ist auch völlig okay. Dafür sind die wunderbaren esoterisch-melancholischen Nexus-Sequenzen (Whoopie Goldberg!) einfach viel zu schön und „Star Trek“ in diesen Momenten ganz und gar bei seiner interessanten Hauptfigur. Die scheidende Generation berichtet von ihren Verfehlungen und geplatzten Träumen und darf ein letztes Mal die Welt retten. Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart – in „Generations“ trifft alles zusammen.

6/10

„Star Trek VIII: First Contact“ [US '96 | Jonathan Frakes] 

Der Ton ist von Anfang an ein anderer. „Star Trek“ ist grimmiger geworden und emanzipiert sich zusehends vom Image bunter und und immer etwas trashiger Weltraum-Unterhaltung. „First Contact“ verschwendet keine Zeit, eröffnet den achten Film gleich mit einem dynamischen Weltraum-Gefecht, ehe das gallige Borg-Kollektiv als alles assimilierende Antagonisten-Schar ein erstes Mal die Leinwand betritt. Fast logisch erscheint es da, dass man den Mythos des überlegenden Cyborg-Volks zumindest stellenweise entmystifizieren musste. So überlegen ist die stetig expandierende Schwarm-Intelligenz dann auch wieder nicht (zu Beginn werden gleich zwei Raumschiffe zerstört) und zu dramaturgischen Zwecken scheint es ebenso unerlässlich der Bedrohung ein Gesicht zu geben (Borg-Königin). Eine gute und wichtige Entscheidung, sorgt sie doch für Rhythmus und Dynamik und räumt den toll gestalteten Borg (kaltes, feuchtes Fleisch, samt Körper-Modifikationen – großartig!) und der wunderbaren Alice Krige wertvolle Screentime ein. Ja, selbst für Humor ist in diesem dreckigen Überlebenskampf noch Platz ohne je den ernst der Lage um Picard (wieder grandios: Patrick Stewart) zu konterkarieren. „First Contact“ bleibt fortwährend erwachsene, schmuddelige Science-Fiction ohne Kompromisse und selbstverständlich der beste Film der neuen Crew.

6.5/10

„Star Trek IX: Insurrection“ [US '98 | Jonathan Frakes] 

Mag die Ausgangsidee um alternative Lebensentwürfe und geschichtliche Déjà-vu's zunächst noch durchaus interessant erscheinen, muss sich dieser anfänglich wunderbar flapsige neunte Teil sehr schnell dramaturgischen Schwächen beugen. Mehr als wenige Dialogzeilen gesteht „Insurrection“ der eigentlich hochspannenden Prämisse nicht zu. Wie es ein solches Privileg denn nun zu nutzen und schützen gilt und ob der Nutzen Vieler nicht doch dem der Wenigen vorzuziehen wäre, will das Skript überhaupt nicht verhandeln. Stattdessen sorgt ein Lifting-süchtiger Standard-Bösewicht für klare Seitenverhältnisse, seichter Kommunen-Kitsch ist ja sowieso viel schöner. Die besten Momente hält „Insurrection“ lediglich am Rande seines seltsam gehemmten Handlungskonstrukts bereit: Picard flirtet was das Zeug hält, Data sucht weiterhin nach dem Menschen in sich und Worf spürt „aggressive Tendenzen“. Nachvollziehbar, ob der verschwendeten Idee.

4/10

„Star Trek X: Nemesis“ [US '02 | Stuart Baird] 

Überraschend, dass „Nemesis“ seinerzeit derart negativ aufgenommen wurde, kam er nach dem eher schwachen „Insurrection“ doch strategisch zu einer guten Zeit. Finanziell kam man gerade noch mit dem Schrecken davon und konnte zumindest die Produktionskosten wieder amortisieren, künstlerisch wurde dem mittlerweile zehnten Enterprise-Einsatz jedoch keinerlei Bedeutung beigemessen - zu Unrecht! Sowohl die Doppelgänger-Konfrontation um Charisma-Bombe Tom Hardy (damals noch sichtlich in den Kinderschuhen steckend), als auch die Entscheidung fast ausschließlich das Weltall zum Schauplatz unausgegoren dargelegter Zwiste zu erheben, erweisen sich als zentrale und gut funktionierende Eckpfeiler von „Nemesis“, die bis auf den gelegentlichen Leerlauf nach der ersten Hälfte, durchaus imstande sind, einen ganzen Kinofilm zu tragen. Zwar gelingt es der Crew um Captain Picard auch im vierten Auftritt nicht, sich vollständig aus dem Schatten der ikonischen Vorgänger-Figuren zu lösen, trotzdem machen die Abenteuer der neuen Generation Spaß, während ausgerechnet Data – als wissbegieriger Android viel zu oft zum Comic-Relief degradiert – in dieser letzten, gemeinsamen Reise zum heimlichen Helden avanciert. Mit dem Vermächtnis Roddenberry's hat dieses „Star Trek“ natürlich nicht mehr viel gemein und wo „Insurrection“ bei Konzept und Idee noch durchaus bei seinem Urvater war, nimmt „Nemesis“ in gewisserweise jene Entwicklung voraus, die die Filmreihe unter Abrams 2009 schließlich endgültig nahm. „Nemesis“ ist teure, deutlich Action-lastigere Science-Fiction-Unterhaltung und nie sahen Weltall-Schlachten besser aus. Immerhin. 

5.5/10

Kommentare:

  1. In FIRST CONTACT gefiel mir auch der MOBY-DICK-Unterbau eines Captains, der langsam die Kontrolle über seine Motive und das Schiff zu verlieren droht. Zwar mit Baseballschläger auf den Zuschauer eingedroschen, aber ich fand's einen netten Nebengag, auch weil Patrick Stewart (Stewart > Shatner) das sorgfältig ausspielt. Für die atmosphärisch ausgleichenden Szenen stand hingegen James Cromwell (besoffen) zur Verfügung. ;)

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  2. "sorgfältig ausspielt" - das klingt aber arg mechanisch. ^^

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