Samstag, 24. August 2013

Star Trek-Retro #1 - Von 2001 bis Spock

„Star Trek: The Motion Picture“ [US '79 | Robert Wise]

Die Ouvertüre: Opening Credits, schwerelos schwebende Metall-Module, tänzelnde Goldsmith-Partitur, Kubrick'sche Weltraum-Elegie. Spock scheitert am vulkanischen „Logik-Zeremonial“, Shatner gibt den reanimierten, zunächst zweifelnden, aber fortwährend wunderbar un-perfekten Captain der Raumschiff Enterprise. „Star Trek: The Motion Picture“ ist ein erster, kleiner Schritt auf die große Bühne, weg von der seriellen Abendunterhaltung - die auf Kosten dieser Franchise-Premiere sowieso eingestampft wurde – hin zur großen Leinwand; dort, wo das ganz große Geld ruft, in die Konkurrenz-regierten Kinosäle eben. Der Plot ist ein kluger, alter Schuh, Epik evozieren die knalligen, Budget-fressenden Weltraum-Animationen und die Spannung speist sich aus einer erstaunt drein-blickenden Brücken-Crew. Hälfte Nummer Eins in kurz: Kammerspiel-artiger Minimalismus, ungelenke Studio-Action und erstaunlich grimmige Kommunikationskultur. Hälfte Zwei ist besser: Schöpfungsgeschichte stellt „The Motion Picture“ dann in den Kontext eines allwissenden Cyber-Netzwerks und ausgerechnet der Vulkanier formuliert eine Abkehr vom maschinellen „Brachland“ und der puren Logik hin zur irrationalen Emotion, zum Gefühl, dem Unfassbaren, das auch über den Grenzen-auslotenen Wissensdurst einer sich verselbstständigen Entität hinaus währt. „Star Trek“ stellt die ganz großen Fragen und gibt kleine, schöne Antworten.

5/10

„Star Trek II: The Wrath of Khan“ [US '82 | Nicholas Meyer]

Bordeaux-rote Edel-Uniformen, satte Seefahrer-Romantik, Midlife-Crisis. Die Crew wird älter. Kirk wird älter. Und alsbald holt sie die (Serien-)Vergangenheit ein: Khan will Rache - für seine verstorbene Geliebte, den verletzten Stolz und überhaupt. Von der Schwere der ersten, angestrengten Gehversuche hat sich „Star Trek“ dennoch gänzlich emanzipiert. Anders als „The Motion Picture“ - der die Problematik, einen Episoden-Plot auf Spielfilm-Länge aufzublasen nie so wirklich überwand – weiß Meyer weitaus mehr mit dem breit gefächerten Figurengefüge um die Enterprise-Cew anzufangen. Spritzige Dialog-Action, Skyline-umrahmte Kamin-Gespräche über das Älterwerden und Sätze, die man so schnell nicht mehr vergisst ("Ich war es und werde es immer sein, Ihr Freund.") - „Star Trek II: The Wrath of Khan“ spielt mit seinen Figuren, lässt sie auch mal ironisch zwinkern und herumalbern, gerät aber trotz der zunächst vorherrschenden Leichtigkeit nicht zum Weltraum-Spaziergang. Dafür sorgt die galaktische Kelly-Family um den rachsüchtigen Khan, dessen Feuer aber nach einem ersten, erinnerungswürdigen Auftritt sehr schnell erloschen scheint. Der figurale Facettenreichtum fängt diese Enttäuschung glücklicherweise zu großen Teilen auf und die letzte Viertelstunde ist dann sowieso nur noch Dialog-getriebenes Spannungskino in Reinkultur. Und ein bisschen Gänsehaut.

6/10

„Star Trek III: The Search for Spock“ [US '84 | Leonard Nimoy]

Wie die erste, richtige Fortsetzung fühlt sich dieser dritte, federleichte „Star Trek“-Film an. Denn zum ersten Mal wird auch ganz konkret Bezug zum Vorgänger genommen und die einschneidenden Ereignisse aus „Wrath of Khan“ vor dem Hintergrund des geglückten und dann doch wieder kolossal verunglückten Genesis-Experiment weitergesponnen. Khan hat Spuren und sichtliche Lücken hinterlassen, die die forschenden Gesetzes-Treuen kurzerhand zu sabotierenden Gesetzes-Untreuen mutieren lässt. Visuell wird Kino-“Star Trek" immer imposanter, stimmlich schaltet Nimoy – der nach seinem superben Abgang im zweiten Film das erste Mal den Regiestuhl wärmt – dagegen mehrere Gänge zurück und hüllt die Enterprise-Crew in kollektive Nostalgie, ehe es gegen drollige Weltraum-Mongolen und selbst-zerstörischere Planeten geht. Nimoy gefällt sich in seiner eigenen, atmosphärisch angenehm zurückgenommenen Auferstehung und findet im apokalyptischen Fiasko von Genesis (die gekaperte Enterprise geht in einem lodernden Feuerball nieder) sehr schnell zu einer eigenen Handschrift. Dennoch ist „The Search for Spock“ im Grunde genommen nur eine verlängerte TV-Folge. Eine gute TV-Folge.

6/10

Kommentare:

  1. Ich wusste, warum ich es mir gespart habe, zu STAR TREK eigene Texte beizusteuern, wenn das eh ein anderer macht. | Größtenteils ein stummes Abnicken von mir zu deinen ersten Einschätzungen. Hier und da habe ich einen Punkt mehr oder weniger gegeben, die Richtung stimmt aber. Wir hatten uns über die ersten drei Filme, glaube ich, sowieso bereits unterhalten. Ich hoffe, wirkliche Reibungsflächen offenbaren sich in den nächsten Filmen. ;)

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    1. Das hoffe ich auch, hatte aber auch schon jetzt mit einem kleinen Plädoyer für den ersten Film gerechnet. ;)

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