Dienstag, 8. Mai 2012

"300" [US '07 | Zack Snyder]

Es ist ja nicht so, als wären die Erwartungen nicht zu erfüllen gewesen. Nachdem Zack Snyder drei Jahre zuvor mit dem Remake des Romero-Klassikers „Dawn of the Dead“ ein durchaus akzeptables Spielfilm-Debüt hinlegte, erwartete man von seinem neusten Projekt - mit dem eingängigen Titel „300“ - doch lediglich eine spaßige, technisch ordentlich umgesetzte Comic-Adaption. Doch trotz beachtlicher Steilvorlage Miller's und der niedrigen Erwartungshaltung meinerseits, funktioniert „300“ als sinnentleerte Metzel-Orgie nur bedingt, weil die ellenlange Exposition versucht mehr Substanz zu verkaufen, als tatsächlich vorhanden ist... 

Eine ganze Dreiviertelstunde benötigt Snyder nämlich, bis er die ersten Schlacht-Sequenzen auf den Zuschauer loslässt. Als würde es nicht reichen den persischen Gesandten mit den inzwischen oft parodierten Worten „This is Sparta!“ in einer extra-langsamen Slow-Motion-Einstellung den Abgrund hinunterzuschicken, um so den bestimmenden Konflikt heraufzubeschwören, lässt uns Snyder nämlich zunächst einmal eine ganze Weile Zeugen uninteressanter politischer Verstrickungen werden, die trotz ihrer offensichtlichen Simplizität lang und breit ausgeführt werden müssen. 

Statt sich von Anfang an seiner Schlachtplatten-Attitüde zu ergeben, sucht Snyder verzweifelt nach einer Rechtfertigung für sein kommendes Gemetzel. Die Gewalt in „300“ ist purer Selbstzweck, doch anstatt sie als solchen erkennen zu lassen, versucht Snyder diese unter dem Deckmantel historischer Fakten und einem wackeligen Plot-Konstrukt inhaltlich zu begründen. Beachtliche Längen scheint der US-Amerikaner dabei selbstbewusst in Kauf zu nehmen und so gestaltet sich die erste Hälfte doch überraschend langweilig unspektakulär: Wir dürfen den König – fortwährend von einer martialischen Erzähler-Stimme aus dem Off kommentiert – bei seiner Ausbildung begleiten, ein paar Blicke auf Computer-generierte Weizenfelder erhaschen und dem Königs-Pärchen bei ihrem wöchentlichen Schäferstündchen beiwohnen – Spannung oder gar Atmosphäre kommt währenddessen nicht auf, stattdessen herrscht zunächst einmal epische Langweile in Sparta. 

Die Optik hat nach den ersten Einstellungen auch erfolgreich an Reiz verloren und so gibt es zu Anfang herzlich wenig, für das es sich zu interessieren lohnt. Interessanter wird es dann schon eher, wenn Snyder – nachdem sich der König (übrigens nicht schuld: Gerard Butler) unter berührend-atmosphärischer Ethno-Mucke von seiner Frau verabschiedet hat – die erste Perser-Welle anrollen lässt. Dann spielt „300“ nämlich endlich einmal seine wenig vorhandenen Stärke(n) aus: Die Action. Snyder's Schlacht-Sequenzen machen schlichtweg Spaß. Auditiv zumeist recht minimalistisch, optisch wuchtig und perfekt choreographiert lassen diese die ein oder andere Schwäche zumindest für kurze Zeit vergessen. Es ist keine dreckige, authentische Gewalt, die uns hier präsentiert wird. Es ist die Ästhetik, die den Blick auf das Schlachtfeld bestimmt, es ist schöne Gewalt, ohne Ecken, ohne Kanten und deshalb auch visuell leicht verdaulicher Input – Mainstream-Kino².

Und doch kann man ihr ihren Unterhaltungswert nicht absprechen, sie vermag trotz ihres zutiefst artifiziellen Charakters doch ein Stück weit zu blenden. Und so sehr man sich an der doktrinären Held-Antagonist-Konzeption auch stoßen mag, so lächerlich ist gleichzeitig auch der Vorwurf des Rassismus, sowie eine politisch motivierte Lesart des Filmes. Snyder will Kino-Entertainment, der Zuschauer bekommt Kino-Entertainment. Das muss nicht gefallen und ist mindestens ein ebenso homophobes wie infantiles Vergnügen, doch vermag dieses gerade bei der Erst-Sichtung mächtig zu unterhalten!

5/10

Kommentare:

  1. Ein perfekter Kinofilm! Perfekte Popcornunterhaltung! Lang lebe Sparta!

    Das Lustige an dem Film ist, jeder sucht nach einer versteckten "Erklärung", die den Film rechtfertigen könnte. Dabei soll er einfach nur Spaß machen und das tut er!

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    1. Der Film selber erweckt den Anschein, als wolle er sein Gemetzel rechtfertigen. Wieso eine 45minütige Einleitung, wenn man nur einen spaßigen Action-Film schaffen möchte? Würde Snyder gar nicht erst versuchen, seinen Pseudo-Plot als ernstzunehmende Geschichte zu verkaufen, wäre ich der letzte der sich über einen gut gemachten Action-Kracher beschweren würde. So ist der Film die gesamte erste Hälfte lang, einfach nur gähnend langweilig - nicht gerade die Charakteristika von spaßiger Popcorn-Unterhaltung.

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  2. ?!?!?!?!? Vielleicht hast du einen anderen Film gesehen, aber der Aufstieg eines Jünglings zum Spartiaten ist doch die Essenz des Films!

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    1. Sind vielleicht fünf Minuten. Und cool ist auch was anderes.

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  3. Spartiaten, macht Euch bereit XERXES zu bekämpfen! Boah der Streifen is soooo sau stark!

    @Malte Ich glaub ja auch, dass die Katze da oben nen anderen Film gesehen hat - der is einfach zuuuu gut ;)

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