Montag, 12. März 2012

"Pusher" [DK '96 | Nicolas Winding Refn]

Raues Underground-Debüt von Nicolas Winding Refn, sichtlich um Authentizität und Straßennähe bemüht, doch in all seiner visuellen Konsequenz, selten wirklich auf der Figuren-Ebene zugänglich. Morten Søborg's grobkörnige Kamera-Bilder begleiten Frank (Kim Bodnia) und seinen Dealer-Kollegen Tonny (Mads Mikkelsen) durch die kargen Straßen der Stadt, lenken den Blick des Rezipienten auf die gescheiterten Existenzen und traurigen Schicksale. In seiner Gewaltdarstellung überaus deftig, funktioniert „Pusher“ in erster Linie als gnadenlos-authentische Milieu-Studie, die ungeschönt ein Konstrukt aus Gewalt und Selbstaufgabe offenlegt, ohne dieses anzuklagen. Vielmehr setzt Refn seine Welt als fest etablierte Größe voraus. Refn's Welt ist eine schlechte und als solche haben wir sie anzunehmen. Doch wo Refn stilistisch seinen Weg von Beginn an gefunden zu haben scheint, scheitert er einmal mehr auf der Figuren-Ebene. Frank bleibt eine ausdruckslose Figur, die zwar über einige Ecken und Kanten zu verfügen scheint, es jedoch versäumt diese tatsächlich zu vermitteln. Womöglich ist es der fehlenden Hintergrundgeschichte des Protagonisten zu schulden, dass Frank fortwährend eine distanzierte Hülle bleibt, ein nichtssagender Nobody, der nicht weiter interessiert. Einzig allein Refn's einzigartiger Stil – deutlich geprägt von Tarantino und Konsorten – vermag die eklatanten Schwächen bezüglich der doch recht platten Geschichte und der blassen Figuren halbwegs zu kompensieren und macht aus „Pusher“ ein fast schon beachtliches Spielfilm-Debüt.      

5.5/10

Kommentare:

  1. Auha, find ich schade. Schaust dir denn noch die restlichen Teile an? Nr. 3 mit Milo ist ja mein persönlicher Liebling, wäre auf deine Meinung gespannt :)

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    1. Nur, wenn diese mir im TV über den Weg laufen. Dann würde ich die gesamte Trilogie einmal übersichtlich abhandeln, ansonsten aber nicht. :)

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    2. Oh, d wirst du warten müssen, solche Filme zeigen wenige Sender. :/

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  2. Volle Zustimmung, nur dass ich nicht einmal von dem "einzigartigen Stil" etwas gemerkt habe. ;)

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    1. Ich muss zugeben, dass ich u.a. auf diese Art von Kameraführung stehe - verwackelt, hautnah dran und im richtigen Moment auf das Geschehen fokussiert, aber das ist natürlich eine persönliche Vorliebe. ;)

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  3. @_Garfield: Schade, das "Pusher" aus den erwähnten Gründen nicht richtig bei dir eingeschlagen hat... Aber ich denke, mal das wurde ja mit "Drive" locker wettgemacht, oder?
    Liebe Grüsse! Tobe

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    1. Keine Ahnung, "Drive" wurde dezent von mir übergangen ^^.

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