Dienstag, 10. Januar 2012

"Lost in Translation" [US '03 | Sofia Coppola]

Ein alternder Filmstar. Eine orientierungslose, junge Frau. Er ist dort aufgrund eines Werbespots für Whiskey. Sie hatte gerade Zeit und hat ihren Ehemann auf eine Geschäftsreise begleitet. Beide sind verloren, irgendwo zwischen Sinnkrise und Identitätssuche. Ein fremdes Land, eine fremde Sprache, eine fremde Stadt. Gemeinsam stellen sie sich dem Fremden und es entwickelt sich eine ungewöhnlich tiefe Freundschaft zwischen zwei Menschen an verschiedenen Punkten, die sich näher jedoch nicht sein könnten...

"Lost in Translation" ist ein ruhiger Film über dessen Daseinsberechtigung man womöglich diskutieren könnte, wenn da nicht die zwei herausragenden Hauptdarsteller wären. Vor allem Scarlett Johansson beweist in diesem Film eindrucksvoll, dass ihr Talent über ihre äußerlichen Vorzüge hinausgeht und sie mehr sein kann als nur "schmuckes Beiwerk". 

"Lost in Translation" hat die Möglichkeit dem Zuschauer aufgrund seiner begnadeten Hauptdarsteller ein Filmerlebnis zu bieten, welches sich in puncto Authentizität und Intensität auf einer neuen Ebene bewegt und nicht aufgrund seiner Geschichte als solches überzeugt, sondern als Charakterstudie, als Lebensabschnittsbericht zweier Menschen, die das selbe Schicksal teilen. Und selbst jene, die etwaige Begegnungen noch nicht selber erleben durften, werden dank des feinfühlig sensiblen Spiels zweier grandioser Darsteller zumindest nachvollziehen können was es bedeutet echte Zuneigung , fernab von familiären Zwangsbindungen und gesellschaftlichem Arschgekrieche, erfahren zu dürfen.

Coppola zeichnet den Mythos der Seelenverwandtschaft als Privileg, das es zu schätzen gilt und macht nicht den Fehler sich den romantisierten Mainstream-Pfaden hinzugeben. Sex gibt es nicht zu sehen und auch inwiefern die beiden ein Paar darstellen sollen, wird im Dunkeln gelassen, ist – sobald der Abspann abgelaufen ist – aber auch nicht weiter wichtig. Vielmehr konzentriert sich Copolla auf die Kraft der Dialoge, zelebriert den Seelenstriptease ihrer Charaktere angenehm zurückgenommen und beweist Mut zur Stille, setzt darüber hinaus sicher humoristische Akzente und verewigt gleichzeitig die Stadt Tokio in einer zwei Stunden andauernden Hommage. 

"Lost in Translation" aufgrund seiner wenigen skurrilen Momente als Komödie oder aufgrund seiner melancholischen Thematik als Drama zu bezeichnen wäre jedoch zu einfach, er erweitert vielmehr Genre-Grenzen, verknüpft Tragik und Komik sowie Charakterstudie und Liebesfilm miteinander und erzählt eine Geschichte wie das Leben sie schreibt. Themen wie Freundschaft, Treue und Einsamkeit werden dabei völlig authentisch und unvoreingenommen behandelt und bilden die zentralen Leitmotive des Filmes. Und obwohl der Film die traurigen Schicksale zweier sehr ähnlicher Menschen aus sehr verschiedenen Welten behandelt, macht "Lost in Translation" vor allem eines: Hoffnung.

8/10

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