Samstag, 16. Mai 2015

"Tropfen auf heiße Steine" [FR '00 | François Ozon]

Bizarres Kammerspiel vor deutschen Pop-Schlagern. Die Figuren hängen an Stricken und ihr Glück ist fragil, weil es der Laune eines allmächtigen Puppenspielers unterworfen ist. Ozon greift sich Fassbinder's Bühnenstück und verhilft ihm zu später Ehre. Aller Ehre wert ist dieses launige, zwischen überreizt-nervig und meditativ-tragisch oszillierende Vier-Personen-Stück nämlich trotz der mich weniger interessierenden Schwanzparade der ersten Hälfte trotzdem. Weil Ozon es schafft seine Figuren trotz aller kuriosen Plot-Verrenkungen immer wieder zum Reflektieren anzuhalten. Obwohl er sie mit Füßen tritt, aus dem Gefängnis keinen Ausweg offenbart, sie leiden, sich fetzen und sterben lässt, gesteht er ihnen Momente stillen Schmerzes zu. Zum letzten Drittel entlarvt sich „Tropfen auf heiße Steine“ dann endgültig als Farce - Titten auf den Tisch, Hüftschwung, tanze Samba mit mir! Die junge Ludivine Sagnier führt das Auflösen aller Beziehungskonstellationen nicht herbei, sie beschleunigt es lediglich bis zur Konsequenz. Es ist die Lust, die treibt, abstößt und vernichtet und nichts über den kurzen Fick hinaus währen lässt. Das Fleisch ist schwach und folgt seinen eigenen Regeln. 

6/10 

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