Samstag, 27. September 2014

"The Deer Hunter" [US '78 | Michael Cimino]

Ein schwieriger und mutiger Film, der eigenwillige Schwerpunkte setzt und kraftvolle, ungewöhnliche Momente voll stillen Schmerzes entwirft. Die wenigen Sequenzen, die tatsächlich Vietnam zum Handlungsort haben, sind auch nach dreißig Jahren noch wirkungsvoll und arbeiten über die perverse Situation des Russisch-Roulette präzise mit dem Motiv der Willkür des Todes in einem Krieg, der eigentlich nie zu gewinnen war. Krieg ist hier ein brütend heißer, dampfender Ort, den man so schnell wie möglich wieder verlassen möchte und die Städte sind bebende Slums, in denen die Prostitution und das Glück regiert. Überhaupt, wer hier überlebt, hat einfach nur Glück gehabt. An der Darstellung des vietnamesischen Volkes, das hier in erster Linie als zockendes, menschenverachtendes Kollektiv gezeigt wird, kann man sich stoßen, wenngleich diese Vorwürfe dadurch, dass es sich in diesen Fällen zumeist um Mitglieder des Militärs handelt, einigermaßen entschärft werden können. DeNiro, Walken und Streep jedenfalls liefern hier absolute Glanzleistungen ihrer großen Karrieren ab, während sich „The Deer Hunter“ drei Stunden lang hingebungsvoll ihren facettenreichen Figuren widmet, immer wieder überrascht und jedem seine Zeile oder einfach einen stillen Moment gönnt. Die zynische Schlussszene verdeutlicht überdies die Zerrissenheit des Amerika der 70er Jahre, während auf Streep's Gesicht der Schmerz einer zutiefst verunsicherten Nation Ausdruck findet. Gleichzeitig versucht DeNiro die Haltung zu wahren und schreit in sich hinein. Solche Filme werden heute einfach nicht mehr gemacht. 

7.5/10

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