Samstag, 12. Juli 2014

"Leviathan" [FR, UK, US '12 | Verena Paravel & Lucien Castaing-Taylor]

Am Anfang ist Schwärze. Dann das Rauschen des Meeres, die am Bug brechenden Wellen. Dann das monotone Brummen eines Schiffsmotors, später unverständliches Arbeitsgenuschel und Seekrankheit-simulierende, total Sinn machende Kamera-Schwenks. „Leviathan“ meidet Totalen und sucht die Nähe, und er geht so nah, dass sich bekannte Formen zu verzerren beginnen. In der Orientierungslosigkeit wird plötzlich alles eins: Rollende Fischköpfe, Blutlachen, gigantische Netzvorrichtungen, routiniertes Treiben an Deck. Erste Konturen zeichnet der Film erst mit der Zeit. Das zerfurchte Gesicht des Kapitäns, dunkle Augenringe, tätowiert, verschwitzt oder einfach nur durchnässt vom unaufhörlichen Regen, wahrscheinlich beides. Hardrock im Hintergrund, der aus einem alten Plastikradio dringt. Und immer ist da diese unbändige Kraft und meine Ehrfurcht ihr gegenüber. Dann sind wir im Meer, begleiten einen Möwenschwarm, der für ein paar Fischreste in die Wellen stürzt. Dem mechanischen Summen eines Krans sind grelle Schreie zu entnehmen, dann Leviathan, dann Schwärze. 

8/10

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