Samstag, 14. September 2013

Star Trek-Retro #2 - Wale, Gott und die Mauer

„Star Trek IV: The Voyage Home“ [US '86 | Leonard Nimoy]

Sie müssen zurück! Zurück in die Gegenwart, um das Schicksal der todgeweihten Erde doch noch zum Guten zu wenden, denn deren ökologischen Versäumnisse drohen sie nun endgültig einzuholen und ihnen ein für alle mal den gar auszumachen. Wegen der Buckelwale natürlich, ist doch klar! - Welch kolossales Fiasko stünde uns mit „The Voyage Home“ ins Haus, hätte man diese Ausgangslage ernst genommen. Und die Möglichkeit bestand, schließlich waren das die 80er. Man beschritt dann aber doch einen anderen Weg. „The Voyage Home“ ist nämlich eine Komödie, eine gute noch dazu. Spock erweist sich als Meister der subtilen Verkleidungskunst, Scotty hämmert auf die „rückständige“ Tastatur ein und Pille verzweifelt am „mittelalterlichen“ Medizinwesen des 20. Jahrhunderts. Mehr noch als seine Vorgänger zeigt Teil 4 die großen Unterschiede zum immer etwas grimmigeren und eskapistischen „Star Wars“-Franchise auf. Rettet-die-Wale, Humor und doch gleichzeitige Ernsthaftigkeit miteinander zu vereinbaren, das schafft wirklich nur „Star Trek“; auch wenn die Möglichkeiten der Zeitreise-Idee nicht einmal ansatzweise ausgereizt wurden - geschenkt.

6.5/10

„Star Trek V: The Final Frontier“ [US '89 | William Shatner]

Achtung Trash-Granate! Ein getriebener Fanatiker schart ahnungslose Beduinen und weite Teile der okkupierten Enterprise-Crew um sich, um dann in den Ursprung allen Seins vorzustoßen. Nach zwei überdurchschnittlichen Nimoy-Arbeiten, übernimmt der Captain nun auch hinter der Kamera endgültig das Ruder. Das muss nicht zwangsläufig einen schlechten Film bedeuten. Shatner, der auch am Drehbuch beteiligt war, erweist sich in sofern zumindest als professioneller Handwerker, der „The Final Frontier“ formal ideenlos, aber sauber in Szene zu setzen weiß. Haarig wird’s immer dann, wenn dieser fünfte Franchise-Wurf versucht eine Geschichte zu erzählen. Die ist nämlich selbst für „Star Trek“-Verhältnisse ziemlicher Blödsinn und gipfelt schließlich mit einer Blitze-verschießenden Lichtgestalt, ehe Super-Ego Shatner auch dem leuchtenden Riesenkopf das Fürchten lehrt. Die sekundäre Klingonen-Bedrohung wirkt zudem deplatziert, die evozierte Figurendynamik oft nur bemüht. Trotzdem wäre es gelogen, würde man behaupten dieser heillos trashige Weltraum-Ausflug versprühe nicht dennoch einen gewissen Charme. 

5/10

„Star Trek VI: The Undiscovered Country“ [US '91 | Nicholas Meyer]

Sichtlich geprägt von den GAU's und Revolutionen im Herzen Europas, erhebt „The Undiscovered Country“ Star Trek erstmals ganz konkret in einen politischen Kontext. Fiktionalisierte Zeitgeschichte sozusagen, deren Integration in den Mikrokosmos "Star Trek" geradezu logisch erscheint. Die Klingonen stecken nach ihrem ganz persönlichen Tschernobyl mitten in der Wirtschaftskrise, die interplanetaren Beziehungen sind zerrüttet und finden schließlich ihre direkte Konfrontation in einem angespannten Arbeitsessen, an dessen Anschluss der Mordanschlag auf den klingonischen Kanzler die Friedensbemühungen endgültig torpediert. Von Shakespeare-Referenzen und Justizdrama in der ersten Hälfte, zum Gefängnis- und Verschwörungs-Thriller in der zweiten - „The Undiscovered Country“ schlägt nach zwei hemmungslos trashigen Vergnügungsfahrten (zum Glück) wieder ernstere Töne an. Am hin-konstruierten Plot-Aufhänger kann man sich stoßen, trotzdem sorgt er für Zug und den nötigen Drive in der Dramaturgie, ehe Meyer das Tempo mit der Gerichtsverhandlung wieder spürbar drosselt. Den Handlungsspielraum anschließend um den Aufenthalt im Strafgefangenenlager zu erweitern, hilft „The Undiscovered Country“ dabei ebenso sehr, wie es ihm schadet, gerät Meyer doch etwas aus der Spur, ehe das konventionelle Finale um den vereitelten Attentatsversuch und die anschließende, schnörkellose Auflösung das Ding effektiv nach Hause fährt. Nostalgisch wird dieser sechste und damit letzte gemeinsame Auftritt der Original-Crew nur zu seinen letzten Minuten und auch da sind es eher die wehmütigen Blicke der Brücken-Mannschaft, die den Abschied schwerer machen als erwartet. Bis zum Morgengrauen und noch viel weiter. Oder so.  

6/10

Kommentare:

  1. Du bist langweilig. Auch hier kann ich nicht allzu viel hinzufügen oder kritisieren. Außer: Vertauschte Bewertungen bei V (hier hat mir vor allem die Szene gefallen, als drei Crew-Mitglieder Momente aus ihrer Vergangenheit erleben) und VI (ein recht angestrengtes, konventionelles Kammerspiel). ;)

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    1. Toll, und bei den kommenden Filmen fehlen dir zwei... Ich hatte eigentlich mit Gegenwind gerechnet.

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