Freitag, 5. Oktober 2012

"Dawn of the Dead" [US '04 | Zack Snyder]

Es ist letztendlich wenig sinnvoll über Sinn oder Unsinn eines solchen Remakes zu diskutieren, wenn das Ergebnis doch so überzeugend ist. Snyder bleibt zwar – gerade in Anbetracht seines sehr durchwachsenden Schaffens – ein Musikclip-Regisseur wie er im Buche steht, doch gerade bei seinem Spielfilm-Debüt stört es überraschend wenig, dass Snyder – wie so oft – nicht über jene „Style over Substance“- Attitüde hinweg kommt, die seinen Werken seit jeher anhaftet. Die stilisierten Hochglanz-Aufnahmen, die optische Sterilität – ein Michael Bay-Remake hätte vermutlich ähnlich ausgesehen. Und doch ist Snyder's Adaption des berühmten Romero-Klassikers nicht pure Oberfläche. Zum einen, weil er es versteht, kalkulierte, aber nicht minder wirkungsvolle Tabu-Brüche in das Geschehen zu etablieren (Zombie-Baby) und zum anderen, weil er seinen Darstellern genügend Zeit gibt, wirkliche Sympathien und Antipathien beim Zuschauer entstehen zu lassen.

Die Gruppe Überlebender stellt dabei einmal mehr, einen Querschnitt der amerikanischen Gesellschaft dar: Von der sozialen „Unterschicht“ (Andre und Luda), über die bürgerliche Mitte (Ana und Michael) bis hin zur vermeintlichen „Oberschicht“ (Steve). Snyder's Figuren sind ironischerweise Stereotypen im Dienste eines Subtextes, dem er sich eigentlich nie wirklich annimmt. Seine Gesellschaftskritik (Konsumrausch, Sklaven der Industrie) und die damit einhergehende Metaphorik (Zombie-Horden = konsumgeiles Kollektiv) trägt „Dawn of the Dead" nämlich fortwährend etwas lustlos vor sich her. Bezug wird darauf - wenn überhaupt - nur noch in Randnotizen genommen.

Dieser Verzicht auf eine weiter ausformulierte Metaebene, kommt Snyder's Neuauflage dabei unwahrscheinlich zugute. So geht er mit dieser Maßnahme doch einem Vergleich zu seiner - in dieser Hinsicht deutlich besseren - Vorlage fast gänzlich aus dem Weg und kann sich vollends in seiner Daseinsberechtigung als (fast) reinrassiges Entertainment-Produkt zelebrieren. Und als solches funktioniert „Dawn of the Dead“ ausnahmslos, ohne jemals allzu große Schwächen zu offenbaren. Intro und Outro gehören zum Besten, was ich in letzter Zeit bestaunen durfte, die Musikauswahl ist ein Traum (Cheese, Disturbed und Cash in einem Soundtrack – awesome!) und die Darsteller sind allesamt glaubwürdig in Aufbau und Wandlung.

Gore- und Splatter-Elemente sind verhältnismäßig sparsam in das Geschehen eingestreut, tauchen dann aber in solch komprimierter Form auf, dass Snyder's Remake schon beinahe satirische Züge annimmt (deutlich zu viel des Guten: Der versehentliche Motorsägen-Einsatz während der finalen Fluchtfahrt). In seinen besten Momenten besticht „Dawn of the Dead“ dann durch eine ungeheure emotionale Intensität (der Abschied von Frank) und deutet an, was aus Snyder's Debüt hätte werden können, wenn dieser seine Prioritäten nur etwas anders gesetzt hätte. Doch vermutlich sind hier die Ansprüche an einen Regisseur, der uns Jahre später Filme wie „300“ und nicht zuletzt „Sucker Punch“ liefern sollte, schlichtweg zu hoch angesetzt. Snyder ist ein Mann für's Grobe, jedoch ohne je einen allzu plumpen Eindruck zu erwecken. Alles versprüht einen gewissen Charme, ist smart und ab und an kann Snyder sogar mit einem gewissen Maß an Cleverness aufwarten (die Autofahrt aus der Vogelperspektive).

Entledigt von jeglichem Anspruch und ironischen Spitzen, bleibt eine wenig ambitionierte, dafür aber überraschend spaßige Klassiker-Interpretation. Hollywood-Unterhaltung für Erwachsene. Nie dumm, aber auch nie wirklich clever. Snyder in Höchstform also.

6/10

Kommentare:

  1. Ich weiß, was du meinst, wenngleich ich persönlich die Figuren bis auf ein, zwei popelig fand und die immer zahlreicher werdenden Actionsequenzen ermüdend formelhaft. Spätestens nach dem 763.839mal Kippe und Munition in Zeitlupe machte ich mir ernsthaft Sorgen über Snyders Fetischismus, den er zudem mit grässlichen Filtern bedient. Ganz spaßig auf der Unterhaltungsschiene (das Promi-Schießen zum Beispiel oder die im Text angesprochenen Montagen), allerdings kein Vergleich zum Original. Von mir gab's respektable 5 Punkte.

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    1. Steht schon Ewigkeiten in meinem Regal und habe ich einfach lieb gewonnen über die Jahre - daher vielleicht der kleine Punkte-Boost, wenngleich das meiner Meinung nach, nach wie vor Entertainment at it's best ist.

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  2. Als für 2004 ein Remake einer meiner absoluten Lieblingsfilme angekündigt wurde, war ich zunächst entsetzt.

    Das Entsetzen legte sich dann aber schnell.
    Zum Einen, weil Znyders Neuauflage ja im Grunde nicht einmal ein echtes Remake darstellt, mehr als der zugkräftige Titel und die Ausgangslage im Einkaufszentrum sind von Romero's Klassiker ja nicht übrig geblieben.

    Zum andern ist Zack Znyders Streifen flott inszeniert und auf den ersten Blick ein visuell ansprechender und spannender Actionfilm geworden.

    Allerdings hat die 2004er Version bei mir mit jeder Sichtung verloren.
    Einstieg und Titelsequenz sind wirklich toll gefilmt, auch das Eindringen ins Kaufhaus und die Konfrontation mit der Wachmannschaft weiß zu gefallen, wird mir aber viel zu schnell abgehandelt.

    Danach fällt der Film aber merklich ab und verflacht zunehmend. Bei der Vielzahl an Charakteren ist es eigentlich kein Wunder, dass diese blaß bleiben müssen.
    Das Finale ist dann eindeutig over the top und das Found Footage Ende hat mich bereits im Kino genervt.

    Unabhängig wie man zu Original und Remake steht, hat Romero's Film eine eindeutig größere filmhistorische Bedeutung.
    Dies sollte sich M.E. auch in der Bewertung widerspiegeln.

    Ach ja, und ob Zombies nun laufen oder schlürfen bleibt sicher der Entscheidung des Regisseurs überlassen, aber warum müssen die Untoten hier schneller rennen als ein Usain Bolt auf Speed?

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    1. Abgesehen davon, dass ich den Film nun schon länger nicht mehr gesehen habe, zähle ich Intro und Outro, inklusive Finale bzw. Post-Finale audiovisuell zum Besten was es im Horror-Mainstream dieses Jahrtausend zu bestaunen gab.

      Jedoch fehlt mir auch die skeptische Distanz, über die all jene verfügen, die das Original zu ihren Lieblingen zählen (habe das Remake zuerst gesehen), was ich durchaus als einen Vorteil erachte, konnte ich der neuen Version doch so sehr viel unbefangener begegnen.

      Das Original habe ich derweil erst ein einziges Mal gesehen, weswegen da punktemäßig durchaus noch Luft nach oben ist. Trotzdem zählt für mich weniger der filmhistorische Kontext (oder irgendwelche Vorschusslorbeeren), sondern meine davon (möglichst) losgelöste Empfindung während einer Sichtung, welche in diesem Fall ebenbürtig in Punkte übersetzt wurde - aus zwei völlig unterschiedlichen Gründen wohlgemerkt (Unterhaltung/Gesellschaftskommentar).

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  3. Audiovisuell stimme ich Dir zu. Das Intro gefällt mir, wie bereits erwähnt ebenfalls außerordentlich gut.
    Auch das Post-Finale ist wirklich gut gemacht, keine Frage. Nur ich mag diese Found-Footage Sequenzen halt nicht sonderlich, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.

    Ebenfalls lässt sich lange streiten, ob die Überlebenden nicht zumindest die Illusion einer Flucht verdient hätten. Hitchcock hat sich oftmals über negativ aufgelöste Suspense und Zuschauertäuschung geäußert. Würde hier aber zu weit führen.
    Früher konnten mir Filmenden nicht pessimistisch genug sein, sehe ich heute differenzierter.

    Die Flucht aus dem Einkaufszentrum gefällt mir nur noch bedingt. Es fängt beim A-Team mäßigen präparieren der Busse an, wo sich bereits die Frage stellt, ob nicht ein Bus reichen würde.
    Da ist mir persönlich vieles zu sehr konstruiert, wie z.B. die Sequenz mit dem Schlüssel zur Yacht.
    Ich gebe allerdings zu, dies ist Kritik auf hohem Niveau und fast schon Haarspalterei.
    Hinzu kommt der Overboost an CGI. Dies ist einfach nicht mein Ding, weil ich filmisch sicher anders geprägt bin als Du. Ich denke zwischen uns liegen einfach ein paar Jahre.

    Was mich zum nächsten Punkt bringt, dem historischen Kontext.
    Ich halte nicht viel davon, Filme nach Vorschusslorbeeren zu bewerten. Letztlich zählt der eigene Geschmack.
    Der aber eben auch durch Erfahrungen, Vorkenntnisse etc. mitgeprägt wird.
    So war ich nie ein allzu großer Fan von CLOCKWORK ORANGE oder BLADE RUNNER um nur einige Beispiele zu nennen. Spreche beiden Werken aber nicht die vorhandenen Qualitäten und ihre Bedeutung ab.
    Auch bin ich der Meinung, dass Filme nun mal unterschiedlich altern. Was heute noch ein Klassiker ist kann morgen schon fremdschämen auslösen.

    Andererseits darf man weder den historischen Kontext noch die Produktionsbedingungen außer Acht lassen, zumindest wenn man sich (wie wir) intensiver mit dem Medium auseinandersetzt und Filme nicht bloß konsumiert.

    Das Original ist nun mal Kind seiner Zeit, war in vielen Belangen auch wirklich neu und anders, hat Tabus überschritten und Maßstäbe gesetzt.
    Aber, und dies wird mit den Jahren immer offensichtlicher, es war eine absolute Low-Budget Produktion, und bietet teilweise aberwitzige Anekdoten vom Set.
    Während Romero mehr wie ein unabhängiger Autorenfilmer gearbeitet hat, war Znyder (zumindest 2004 noch) eine ausführende Kraft eines Major-Studios. Wobei ich ihm eigene Ideen und visuelle Kreativität gar nicht absprechen möchte.

    Auch möchte ich Deine Meinung gar nicht in Frage stellen. Wie Du welchen Film bewertest bleibt letztlich Dir überlassen. Ganz aus den Augen verlieren solltest Du den Kontext aber nicht.
    Bei DAWN OF THE DEAD (1978) ist die Bewertung schon allein aufgrund der unterschiedlichen offiziellen Schnittfassungen kompliziert genug.
    Falls Du ihn noch nicht gesehen haben solltest, schau Dir mal den sogenannten Argento-Cut an.
    Von der Wirkung her ist die Version völlig anders, als Romeros Schnittfassung. Ein schönes Beispiel dafür, welche Wirkung ein anderer Schnitt und eine unterschiedliche VErwendung von Musik haben.

    Und natürlich ist für die Wahrnehmung von Film oft entscheidend was man zuerst sieht und in welchem Alter man einem Werk begegnet.
    Von daher werden wir bei der Bewertung von Filmen wohl nicht immer einer Meinung sein, was der Qualität Deiner Besprechungen und meiner Neugier aber keinen Abbruch tut.
    Danke und weiter so!

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  4. Ich denke CGI findet auch in meiner Altersklasse nicht uneingeschränkt Zustimmung; geht diesem doch fast immer die Griffigkeit und Authentizität ab, die handgemachte Effekte so wunderbar altern lassen (zumindest im besten Fall). Wäre somit auch ein Kritikpunkt, der bei mir durchgehen würde.

    Über die unzähligen Schnittfassungen und Recuts bin ich bereits aufgeklärt, verspüre aber momentan keine große Lust mich mit Romero's Schaffen weiterhin auseinanderzusetzen (da bewege ich mich momentan eher beim New Hollywood und der Aufarbeitung einiger Perlen). Bin zunächst erstmal glücklich mit meiner jetzigen Version, die ich sehr günstig in London ergattern konnte.

    In den anderen Punkten sind wir einer Meinung. Im gesundem Maße sollte natürlich auch die Stellung eines Werkes innerhalb seines Genres oder als Teil einer gesellschaftlichen Bewegung, bzw. als wichtiges Zeitzeugnis eine gewisse Anerkennung erfahren. Und einer Meinung sollte man sowieso nicht immer sein, ansonsten würde wir jetzt nicht diese Diskussion führen.

    Danke in jedem Fall für das umfangreiche Feedback! Ich befinde mich in meiner Auseinandersetzung mit diesem Medium ja noch in einem Anfangsstadium (viele Texte, die ich vor Monaten geschrieben habe, gefallen mir heute z.B. schon nicht mehr bzw. gehören an vielen Stellen korrigiert und umgeschrieben), sodass ich über Rückmeldung und Kritik wahnsinnig froh bin. :)

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