Samstag, 18. Oktober 2014

"Bitter Moon" [UK, FR '92 | Roman Polanski]

Sexuell zum Bersten gespanntes Beziehungsspiel. Polanski zelebriert den jungen Apfelsinen-Körper von Ehefrau Emmanuelle Seigner nicht einfach, er erhebt ihn zum Gravitationszentrum, um das alles kreist und dem sich niemand entziehen kann. Er seziert Abhängigkeitsverhältnisse, (britische) Scheinheiligkeit und das Spiel mit der Lust in einem Prisma glänzender Titten, sexueller Offenbarung und immerwährender, zügellos waltender, animalischer Anziehungskraft – Intellektualismus durchkreuzt von den Ur-Trieben. Peter Coyote als unausstehlicher, Gesprächs-reflektierender Krüppel, Hugh Grant als er selbst in der Dekonstruktion all seiner Rollen. Verbal-Exhibitionismus at its best, ein Hort der Perversion und sexuellen Skurrilität. Polanski stellt die uns selbst auferlegten, moralischen Bürden in Frage, beschreibt Abhängigkeiten im Zuge vollkommener Selbstaufgabe und Erniedrigung als Ausdruck absolut ausgelebter Macht. Von der Illusion nie enden wollender, grenzenloser Liebe, starrem, kontinuierlichem Verlangen nach ein und der selben Person abseits jeder Lebenswirklichkeit bis zur Zerfleischung, der psychischen und dann plötzlich ganz physisch werdenden Verstümmelung ehemalig Liebender. Der zynische Schlussakkord, der dem unausweichlichen Ende vorausgeht, inmitten eines surrealen, Konfetti-verschießenden Gelages, hallt derweil über den Abspann hinaus nach. Geil!

7.5/10

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