Samstag, 31. August 2013

"Friday the 13th" [US '80 | Sean S. Cunningham]

Es wäre unpassend bei „Friday the 13th“ von einer Handlung zu sprechen. Es gibt keine Handlung, nur die knappe (nebenbei ziemlich sinnfreie) Exposition, welche die Ausgangslage (Camp Crystal Lake) forciert, von der aus sich Jason bzw. dessen Frau Mutter durch lüsterne Teenie-Körper schlachtet. „Friday the 13th“ ist zudem einigermaßen holprig gespielt, haarsträubend dilettantisch geschrieben und vereint gewissenhaft all jene später zum Klischee verkommenden Zutaten, die auch damals schon einfach nur dämlich waren. Auch damals bedeutete Sex den baldig folgenden Qualentod und meuchelnde Verfolger wurden, nachdem man sie KO gehauen hat, einfach liegengelassen. Auch gibt es sicherlich eine ganze Reihe guter Alternativen, die den Spannungsmoment effektiver inszenieren, als Cunningham, der die POV-Perspektive Carpenter's nichtsdestotrotz sinnig auf den gesamten Film auszuweiten weiß. Und doch versprüht dieser zweifelhafte Klassiker den Charme einer leidenschaftlichen Studenten-Arbeit, irgendwo zwischen billigem Gekröse und sinnlicher Sexyness, „Psycho“-Score und „Psycho“-Motivik, Trash und Genre-Exploitation.

5/10   

Samstag, 24. August 2013

Star Trek-Retro #1 - Von 2001 bis Spock

„Star Trek: The Motion Picture“ [US '79 | Robert Wise]

Die Ouvertüre: Opening Credits, schwerelos schwebende Metall-Module, tänzelnde Goldsmith-Partitur, Kubrick'sche Weltraum-Elegie. Spock scheitert am vulkanischen „Logik-Zeremonial“, Shatner gibt den reanimierten, zunächst zweifelnden, aber fortwährend wunderbar un-perfekten Captain der Raumschiff Enterprise. „Star Trek: The Motion Picture“ ist ein erster, kleiner Schritt auf die große Bühne, weg von der seriellen Abendunterhaltung - die auf Kosten dieser Franchise-Premiere sowieso eingestampft wurde – hin zur großen Leinwand; dort, wo das ganz große Geld ruft, in die Konkurrenz-regierten Kinosäle eben. Der Plot ist ein kluger, alter Schuh, Epik evozieren die knalligen, Budget-fressenden Weltraum-Animationen und die Spannung speist sich aus einer erstaunt drein-blickenden Brücken-Crew. Hälfte Nummer Eins in kurz: Kammerspiel-artiger Minimalismus, ungelenke Studio-Action und erstaunlich grimmige Kommunikationskultur. Hälfte Zwei ist besser: Schöpfungsgeschichte stellt „The Motion Picture“ dann in den Kontext eines allwissenden Cyber-Netzwerks und ausgerechnet der Vulkanier formuliert eine Abkehr vom maschinellen „Brachland“ und der puren Logik hin zur irrationalen Emotion, zum Gefühl, dem Unfassbaren, das auch über den Grenzen-auslotenen Wissensdurst einer sich verselbstständigen Entität hinaus währt. „Star Trek“ stellt die ganz großen Fragen und gibt kleine, schöne Antworten.

5/10

„Star Trek II: The Wrath of Khan“ [US '82 | Nicholas Meyer]

Bordeaux-rote Edel-Uniformen, satte Seefahrer-Romantik, Midlife-Crisis. Die Crew wird älter. Kirk wird älter. Und alsbald holt sie die (Serien-)Vergangenheit ein: Khan will Rache - für seine verstorbene Geliebte, den verletzten Stolz und überhaupt. Von der Schwere der ersten, angestrengten Gehversuche hat sich „Star Trek“ dennoch gänzlich emanzipiert. Anders als „The Motion Picture“ - der die Problematik, einen Episoden-Plot auf Spielfilm-Länge aufzublasen nie so wirklich überwand – weiß Meyer weitaus mehr mit dem breit gefächerten Figurengefüge um die Enterprise-Cew anzufangen. Spritzige Dialog-Action, Skyline-umrahmte Kamin-Gespräche über das Älterwerden und Sätze, die man so schnell nicht mehr vergisst ("Ich war es und werde es immer sein, Ihr Freund.") - „Star Trek II: The Wrath of Khan“ spielt mit seinen Figuren, lässt sie auch mal ironisch zwinkern und herumalbern, gerät aber trotz der zunächst vorherrschenden Leichtigkeit nicht zum Weltraum-Spaziergang. Dafür sorgt die galaktische Kelly-Family um den rachsüchtigen Khan, dessen Feuer aber nach einem ersten, erinnerungswürdigen Auftritt sehr schnell erloschen scheint. Der figurale Facettenreichtum fängt diese Enttäuschung glücklicherweise zu großen Teilen auf und die letzte Viertelstunde ist dann sowieso nur noch Dialog-getriebenes Spannungskino in Reinkultur. Und ein bisschen Gänsehaut.

6/10

„Star Trek III: The Search for Spock“ [US '84 | Leonard Nimoy]

Wie die erste, richtige Fortsetzung fühlt sich dieser dritte, federleichte „Star Trek“-Film an. Denn zum ersten Mal wird auch ganz konkret Bezug zum Vorgänger genommen und die einschneidenden Ereignisse aus „Wrath of Khan“ vor dem Hintergrund des geglückten und dann doch wieder kolossal verunglückten Genesis-Experiment weitergesponnen. Khan hat Spuren und sichtliche Lücken hinterlassen, die die forschenden Gesetzes-Treuen kurzerhand zu sabotierenden Gesetzes-Untreuen mutieren lässt. Visuell wird Kino-“Star Trek" immer imposanter, stimmlich schaltet Nimoy – der nach seinem superben Abgang im zweiten Film das erste Mal den Regiestuhl wärmt – dagegen mehrere Gänge zurück und hüllt die Enterprise-Crew in kollektive Nostalgie, ehe es gegen drollige Weltraum-Mongolen und selbst-zerstörischere Planeten geht. Nimoy gefällt sich in seiner eigenen, atmosphärisch angenehm zurückgenommenen Auferstehung und findet im apokalyptischen Fiasko von Genesis (die gekaperte Enterprise geht in einem lodernden Feuerball nieder) sehr schnell zu einer eigenen Handschrift. Dennoch ist „The Search for Spock“ im Grunde genommen nur eine verlängerte TV-Folge. Eine gute TV-Folge.

6/10

Sonntag, 18. August 2013

"Der Elefantenmensch" [UK '80 | David Lynch]

Der Schausteller und Sklavenhändler, der Gaffer und Tuschelnde, das deformierte Schreckgespenst in unseren Köpfen, das sich anmaßt über Wert und Wertlosigkeit zu richten, steckt in jedem von uns. Aber auch die helfende Hand, die wahrhaftige Furchtlosigkeit, die gelebte, nicht die verlautbarte Toleranz. Lynch legt Zeugnis ab; über eine Gesellschaft heuchelnder Egomanen und das Porträt einer geschundenen, nicht aber verlorenen Seele. Vor dem Hintergrund rauchender Fabrikschloten, inmitten eines fauchenden Ungetüms, maschineller Revolution in klinischer Kälte. Elefantenmenschen waren die wenigsten von uns. Und waren wir nicht der Schausteller, die geistige Missgeburt, so waren wir alle schon mal Gaffer, Tuschelnde, schweigende Schläfer, die das deformierte Schreckgespenst weiterleben ließen, als der Dicke 'nen Spruch abbekam oder das Arschloch ein Bein stehen ließ. Hilfe erfährt hier auch nur jene Kreatur, die sich als Anschauungsobjekt medizinischer Sensation erweist, womit Lynch auch den noblen Beweggründen der gesellschaftlichen Oberschicht einen Strich durch die Rechnung macht. „The Elephant Man“ bedeutet durch und durch subjektives Schildern von Lebensgeschichte, dessen dokumentarische Objektivität schnell Platz macht für hemmungslose Sentimentalitäten und echte Gefühle. „I am a human being!“ - herzzerreißend.  

9/10

Sonntag, 11. August 2013

"Die innere Sicherheit" [DE '00 | Christian Petzold]

Weite Handlungsteile rücken bei Petzold immer wieder in den Hintergrund; stattdessen verbannt er sie ins Off und eröffnet somit vor allem einen uneingeschränkten Blick auf die Figur der Jeanne (authentisch: Julia Hummer). Es ist ihre Perspektive, die diesen Film bestimmt und nicht die vordergründige Geschichte um ehemalige RAF-Terroristen, aufreibende Landesflucht und stetige Überwachungsangst. 

Es ist die Einsamkeit und die erste Liebe, die Petzold zum Thema macht. Deshalb ist „Die innere Sicherheit“ trotz seines augenscheinlich darauf ausgelegten Plot-Konstruktes auch kein Thriller; überhaupt sollte der durchschnittliche „Tatort“-Zuschauer seine Erwartungen an einen herkömmlichen Kriminalausflug ganz gewaltig korrigieren.

Eine entscheidende Rolle spielt die Angst der Protagonisten: Angst vor einem unermüdlichen Justizapparat, Angst vor gerechter Strafe und ganz besonders die Angst um den Verlust der eigenen Freiheit, wobei sich gerade hierbei die Frage stellt, wie frei diese getriebenen Existenzen denn nun wirklich sind und ob ein Ende ihrer 15 Jahre währenden Flucht nicht gleichzeitig auch Erlösung bedeuten würde. Die moralische Fragwürdigkeit seines Elternmodells (toll: Richy Müller und Barbara Auer) verklärt Petzold dabei auch viel weniger, als dass er sie in stillen Totalen und pointierten Dialogabschnitten zu erforschen weiß.

Gewalt und Verbrechen (obwohl selten vorkommend) wird immer auch die Ambivalenz der Zusammenhänge von Motiv und Aktion als ganz zentraler und für eine differenzierte Betrachtung unerlässlicher Aspekt hinzugefügt. Der Verantwortung gegenüber der eigenen Tochter und dem sehnlichen Wunsch nach einer Ordnung in einem von Rastlosigkeit geprägten Dasein setzt Petzold auch die Verantwortung gegenüber der eigenen Vergangenheit und den begangenen Verbrechen entgegen.

Widersprüche, die sich schließlich auch in der Situation von Jeanne wiederfinden, wenn sie sich vor der Entscheidung zwischen ihren Eltern und einer flüchtigen Liebschaft stehen sieht. Der Illusion der wahren und einzigen Liebe versagt sich der Film auch hier deutlich und begreift Jeanne's Beziehung vor allem als Ausdruck entdeckter Sexualität und andauernder Einsamkeit. Für großes Glück ist in diesem Spiel auf Zeit ebenso wenig Platz, wie für wahre Freiheit. Sicher ist hier nichts und ein Ende findet ihre Reise schließlich so oder so. 

„How can we hang on to a dream; How can it ever be the way it seems“  

7/10

Samstag, 3. August 2013

Zuletzt gesehen: Juli 2013

"Into the Abyss" [DE, UK, US '11 | Werner Herzog] - 5/10

"Star Trek IX: Insurrection" [US '98 | Jonathan Frakes] - 4/10

"Star Trek X: Nemesis" [US '02 | Stuart Baird] - 5.5/10

"Unstoppable" [US '10 | Tony Scott] - 5/10

"Durst" [KR '09 | Chan-wook Park] - 6/10

"Buffalo '66" [US '98 | Vincent Gallo] - 7/10

"Einfach zu haben" [US '10 | Will Gluck] - 5/10

"Schatten der Wahrheit" [US '00 | Robert Zemeckis] - 5/10

"Abbitte" [UK '07 | Joe Wright] - 6/10

"Twin Peaks" (Pilot) [US '90 | David Lynch & Mark Frost] - 7.5/10

"Twin Peaks" [US '90 | Season 1] - 8/10

"Mad Max" [US '79 | George Miller] - 6.5/10

"The King's Speech" [AU, UK '10 | Tom Hooper] - 5/10

"Don't Look Now" [UK, IT '73  | Nicolas Roeg] - 8/10

"Cocktail für eine Leiche" [US '48 | Alfred Hitchcock] - 8/10

"Passwort: Swordfish" [US '01 | Dominic Sena] - 3/10

"Workingman's Death" [AT, DE '05 | Michael Glawogger] - 6/10

"Vergiss mein nicht!" [US, CA '04 | Michel Gondry] - 7/10

"Cassandras Traum" [US '07 | Woody Allen] - 5/10

"The Fighter" [US '10 | David O. Russell] - 5/10