Sonntag, 18. August 2013

"Der Elefantenmensch" [UK '80 | David Lynch]

Der Schausteller und Sklavenhändler, der Gaffer und Tuschelnde, das deformierte Schreckgespenst in unseren Köpfen, das sich anmaßt über Wert und Wertlosigkeit zu richten, steckt in jedem von uns. Aber auch die helfende Hand, die wahrhaftige Furchtlosigkeit, die gelebte, nicht die verlautbarte Toleranz. Lynch legt Zeugnis ab; über eine Gesellschaft heuchelnder Egomanen und das Porträt einer geschundenen, nicht aber verlorenen Seele. Vor dem Hintergrund rauchender Fabrikschloten, inmitten eines fauchenden Ungetüms, maschineller Revolution in klinischer Kälte. Elefantenmenschen waren die wenigsten von uns. Und waren wir nicht der Schausteller, die geistige Missgeburt, so waren wir alle schon mal Gaffer, Tuschelnde, schweigende Schläfer, die das deformierte Schreckgespenst weiterleben ließen, als der Dicke 'nen Spruch abbekam oder das Arschloch ein Bein stehen ließ. Hilfe erfährt hier auch nur jene Kreatur, die sich als Anschauungsobjekt medizinischer Sensation erweist, womit Lynch auch den noblen Beweggründen der gesellschaftlichen Oberschicht einen Strich durch die Rechnung macht. „The Elephant Man“ bedeutet durch und durch subjektives Schildern von Lebensgeschichte, dessen dokumentarische Objektivität schnell Platz macht für hemmungslose Sentimentalitäten und echte Gefühle. „I am a human being!“ - herzzerreißend.  

9/10

Kommentare:

  1. Schön auf den Punkt gebracht. Gerade in der Kürze ist es gar nicht so einfach.

    Ich hoffe du hattest gesehen, daß ich den Text in der Ein Film - Viele Blogger Liste zum Film mit aufgenommen habe? Wär natürlich super, wenn du auch aktiv mitmachen magst. :)

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    1. Hatte ich bislang nicht gesehen, weil du bei mir überhaupt nicht in der Blogroll verlinkt bist - wurde aber geändert. Ich werde mal schauen, was ich da machen muss und dann gegebenenfalls etwas dazu machen.

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