Oh man. Da hätte ich mich um ein Haar
um eine ganz großartige Serien-Erfahrung gebracht und das nur
aufgrund von Vorurteilen. Ja, manche mag es schocken, aber auch ich
bin nicht frei von ihnen. Vor nicht allzu langer Zeit tat ich „South
Park“ nämlich noch als uninteressante Proll-Serie ab, deren Inhalt
sich auf Obszönitäten und Fäkalien-Humor beschränken würde.
Diese krasse Fehleinschätzung könnte damit zu erklären sein, dass
die Serie um die Freunde Kyle, Stan, Kenny und Cartman auch exakt
diese Elemente beinhaltet – dann aber eben einen entscheidenden
Schritt weitergeht...
Dieser subversive Humor, dieses
rotzfreche Scheißen auf alle Regeln, Grenzen und Tabus erinnert
nicht selten an Groening's „The Simpsons“. Und doch beschreiten
die Macher um Trey Parker und Matt Stone („Team America“ - Fuck
Yeah!) ganz eigene Wege: Der Humor in „South Park“ ist radikaler,
der Zeichenstil reduzierter und die Kontroversen womöglich
wichtiger. „South Park“ ist zu einer Pop-kulturellen Instanz
gereift. Eine Instanz, die nicht selten unter der Mutlosigkeit ihres
Umfeldes zu leiden hat und eine, die kein Blatt vor den Mund und die
Scheiße in die Hand nimmt.
Der Fremdempörung reaktionärer
Eigenheimbesitzer begegnet „South Park“ dabei mit
flächendeckenden Beleidigungsorgien. Schließlich hat jeder das Recht beleidigt
zu werden. Keine Randgruppe wird ausgelassen, kein Promi verschont.
Hier und da verliert sich das Konzept vielleicht etwas in seiner
provokanten Bockigkeit und auch die arg repetitive Struktur mancher
Episoden innerhalb einer Season stört ein wenig. Das schmälert das
Vergnügen aber nur bedingt; zu viel Wahrheit steckt hinter einer
jeden Episode, zu sehr konform gehe zumindest ich mit vielen
Ansichten der Macher.
Fernab schwammiger Kompromisse,
positioniert sich „South Park“ so eindeutig, wie kaum
eine andere Serie. Das muss und soll auch gar nicht allen gefallen,
ermöglicht aber eine ehrliche, fruchtbare Diskussionsgrundlage auf
Basis von klaren Ausgangspositionen. Erzürnte Scientologen und
ängstliche Fernsehbosse reagieren jedoch nicht selten mit Zensur und
Verbotsverfahren auf einzelne Episoden – ein Outing und
Offenbarungseid: Denn das Verbot ist das Mittel der Ratlosen. „South
Park“ hat somit alles richtig gemacht.
8/10
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