Freitag, 1. Februar 2013

"South Park" [US '97 | Trey Parker & Matt Stone]


Oh man. Da hätte ich mich um ein Haar um eine ganz großartige Serien-Erfahrung gebracht und das nur aufgrund von Vorurteilen. Ja, manche mag es schocken, aber auch ich bin nicht frei von ihnen. Vor nicht allzu langer Zeit tat ich „South Park“ nämlich noch als uninteressante Proll-Serie ab, deren Inhalt sich auf Obszönitäten und Fäkalien-Humor beschränken würde. Diese krasse Fehleinschätzung könnte damit zu erklären sein, dass die Serie um die Freunde Kyle, Stan, Kenny und Cartman auch exakt diese Elemente beinhaltet – dann aber eben einen entscheidenden Schritt weitergeht...

Dieser subversive Humor, dieses rotzfreche Scheißen auf alle Regeln, Grenzen und Tabus erinnert nicht selten an Groening's „The Simpsons“. Und doch beschreiten die Macher um Trey Parker und Matt Stone („Team America“ - Fuck Yeah!) ganz eigene Wege: Der Humor in „South Park“ ist radikaler, der Zeichenstil reduzierter und die Kontroversen womöglich wichtiger. „South Park“ ist zu einer Pop-kulturellen Instanz gereift. Eine Instanz, die nicht selten unter der Mutlosigkeit ihres Umfeldes zu leiden hat und eine, die kein Blatt vor den Mund und die Scheiße in die Hand nimmt.

Der Fremdempörung reaktionärer Eigenheimbesitzer begegnet „South Park“ dabei mit flächendeckenden Beleidigungsorgien. Schließlich hat jeder das Recht beleidigt zu werden. Keine Randgruppe wird ausgelassen, kein Promi verschont. Hier und da verliert sich das Konzept vielleicht etwas in seiner provokanten Bockigkeit und auch die arg repetitive Struktur mancher Episoden innerhalb einer Season stört ein wenig. Das schmälert das Vergnügen aber nur bedingt; zu viel Wahrheit steckt hinter einer jeden Episode, zu sehr konform gehe zumindest ich mit vielen Ansichten der Macher.

Fernab schwammiger Kompromisse, positioniert sich „South Park“ so eindeutig, wie kaum eine andere Serie. Das muss und soll auch gar nicht allen gefallen, ermöglicht aber eine ehrliche, fruchtbare Diskussionsgrundlage auf Basis von klaren Ausgangspositionen. Erzürnte Scientologen und ängstliche Fernsehbosse reagieren jedoch nicht selten mit Zensur und Verbotsverfahren auf einzelne Episoden – ein Outing und Offenbarungseid: Denn das Verbot ist das Mittel der Ratlosen. „South Park“ hat somit alles richtig gemacht.  

8/10

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