Uxbal (Javier Bardem), ein Esoteriker und Familienvater versucht seinen Kindern eine sichere Zukunft zu bieten und sie bestmöglich zu erziehen. Er gibt sich alle Mühe, doch das Leben macht ihm schließlich einen Strich durch die Rechnung und als ihn schließlich die niederschmetternde Diagnose ereilt, muss er sich Gedanken darüber machen, wie es für ihn und seine Kinder weitergehen soll...
Garfield meint:
Entgegen seinen sonstigen Strukturgewohnheiten konzentriert sich Iñárritu in „Biutiful“ in erster Linie auf das Einzelschicksal eines vom Leben gezeichneten Mannes. Zwar bildet weltliche Kultur und die dazwischen verlaufenden Barrieren weiterhin eines der fortwährend auftauchenden Leitmotive des Filmes, doch der Fokus liegt auf dem Schicksal des Protagonisten, auf den erbärmlichen Zuständen in den Arbeitervierteln in denen er lebt, auf der Migrationsproblematik und die Probleme die damit gesellschaftlich, vor allem aber individuell einhergehen. Iñárritu behält jedoch bei aller inhaltlicher Hoffnungslosigkeit seinen fortwährend präsenten Optimismus stetig bei, sei es das tröstende Finale, die kurzen Phasen der aufkeimenden Hoffnung oder das von Schnee bedeckte Jenseits. Ohne Zweifel, die Welt unseres Protagonisten ist eine triste, traurige und die Frage nach einem Sinn ist logisch und doch so sinnlos. Doch trotz der sorgfältig ausformulierten Geschichte Bardem's und dem souveränen Spiel bleibt dessen Figur unzugänglich. Es mangelt an einprägsamen Momenten, an jenen Augenblicken, in denen sich eine Figur nur durch Gestik, durch flüchtige Blicke von selber offenbart und uns einen Zugang zu ihr gewährt. Ebenso wie seine Figur ist Bardem zumeist beherrscht, ruhig und lässt keine tiefer-gehende Bindung zu. Die Komplexität der Figur erschwert dies zusätzlich, Bardem tut zwar sein Bestes, die überaus ambivalenten Handlungsweisen seiner Figur glaubhaft zu vermitteln, doch ein tatsächliches Bild seines Charakters möchte sich nie so wirklich zusammenfügen.
Die erzählte Geschichte ist ein Konstrukt aus Banalitäten, Alltagsproblemen und Zufällen und dient einmal mehr der übergeordneten Thematik. Iñárritu gibt uns meisterhaft ein Gefühl für die Probleme anderer, für ihre Sorgen, für ihre Mentalität und für ihr Verhalten gegenüber ihren Mitmenschen. Es ist nicht der Vorsatz der sie treibt, es ist die Not. Der mexikanische Ausnahmeregisseur tut das was er am besten kann: Er kreiert Charaktere, führt unterschiedlichste Ethnien in den bizarrsten Situationen zusammen und trägt seinen Teil zu jenem Lernprozess bei, den wir alle durchschreiten sollten. Musik tritt in „Biutiful“ nur akzentuiert auf, zumeist bestimmen authentische Soundkulissen das Geschehen. Iñárritu's Kompositionen beschränken sich auf einige gezupfte Gitarrenklänge, ansonsten ist es die bedrückende Stille, die mächtige Stimme Bardem's oder die erlösende Ruhe, die mit den – von einer grandios getimten Kamera eingefangenen – Bildern interagiert. „Biutiful“ ist ein audiovisuelles Glanzstück, das von seiner fehlerfreien Kameraarbeit und der stilsicheren Verwendung musikalischer Untermalung lebt. Deklamatorisch führt uns Iñárritu durch den pessimistischen Alltag des Hauptprotagonisten, verweist immer wieder auf das Motiv der Mystik und beeindruckt gerade in jenen Szenen, in denen er sich voll und ganz den spirituellen Attributen seines Protagonisten widmet. Wenn er in einer mustergültigen Dramaturgie auf einige verstörende Szenen zusteuert, um im nächsten Moment die Zeit anzuhalten und die Metapher nicht weiter Metapher sein lässt. Ohne falsche Sentimentalität erleben wir schließlich das Ende des Filmes, ein fast schon zurückhaltender Klimax und eine optimistische Botschaft. Trotz allen Missständen und Missverständnissen ist Iñárritu's Welt eine lebenswerte, eine wunderschöne für die es sich zu kämpfen lohnt, so beautiful.
Asgard meint:
Biutiful, ein Film wie er bedrückender und ergreifender kaum sein könnte. Der Film zeigt das Leben auf der Schattenseite Barcelonas, das Leben der Menschen, die vom Glück nicht begünstigt sind und ein hartes, trostloses Leben fristen. Zwischen qualmenden Fabrikschloten, die ihm Verlauf des Filmes immer wieder gezeigt werden, ebenso wie triste und heruntergekommene Straßenzüge, die dem Rezipienten das Gefühl der Hoffnungslosigkeit näher bringen, lebt Uxbal mit seinen Kindern und verdient das Geld für den Unterhalt. Trübe Sonnenaufgänge über der Millionenstadt steigern das düstere Bild der Örtlichkeiten an denen sich das Leben des Protagonisten abspielt. Matschige Baustellen, dicht bevölkerte Plätze und heruntergekommene Gässchen sowie eine neuzeitliche Kirche. Das Elend ist allgegenwärtig und trotz seiner Bemühungen kann er nicht immer der liebenswürdige Vater sein, der er gerne sein möchte. Sein Leben ist dominiert von der Gier nach Geld und den Sorgen, dass es seinen Kindern schlecht gehen könnte.
Entgegen seinen sonstigen Strukturgewohnheiten konzentriert sich Iñárritu in „Biutiful“ in erster Linie auf das Einzelschicksal eines vom Leben gezeichneten Mannes. Zwar bildet weltliche Kultur und die dazwischen verlaufenden Barrieren weiterhin eines der fortwährend auftauchenden Leitmotive des Filmes, doch der Fokus liegt auf dem Schicksal des Protagonisten, auf den erbärmlichen Zuständen in den Arbeitervierteln in denen er lebt, auf der Migrationsproblematik und die Probleme die damit gesellschaftlich, vor allem aber individuell einhergehen. Iñárritu behält jedoch bei aller inhaltlicher Hoffnungslosigkeit seinen fortwährend präsenten Optimismus stetig bei, sei es das tröstende Finale, die kurzen Phasen der aufkeimenden Hoffnung oder das von Schnee bedeckte Jenseits. Ohne Zweifel, die Welt unseres Protagonisten ist eine triste, traurige und die Frage nach einem Sinn ist logisch und doch so sinnlos. Doch trotz der sorgfältig ausformulierten Geschichte Bardem's und dem souveränen Spiel bleibt dessen Figur unzugänglich. Es mangelt an einprägsamen Momenten, an jenen Augenblicken, in denen sich eine Figur nur durch Gestik, durch flüchtige Blicke von selber offenbart und uns einen Zugang zu ihr gewährt. Ebenso wie seine Figur ist Bardem zumeist beherrscht, ruhig und lässt keine tiefer-gehende Bindung zu. Die Komplexität der Figur erschwert dies zusätzlich, Bardem tut zwar sein Bestes, die überaus ambivalenten Handlungsweisen seiner Figur glaubhaft zu vermitteln, doch ein tatsächliches Bild seines Charakters möchte sich nie so wirklich zusammenfügen.
Die erzählte Geschichte ist ein Konstrukt aus Banalitäten, Alltagsproblemen und Zufällen und dient einmal mehr der übergeordneten Thematik. Iñárritu gibt uns meisterhaft ein Gefühl für die Probleme anderer, für ihre Sorgen, für ihre Mentalität und für ihr Verhalten gegenüber ihren Mitmenschen. Es ist nicht der Vorsatz der sie treibt, es ist die Not. Der mexikanische Ausnahmeregisseur tut das was er am besten kann: Er kreiert Charaktere, führt unterschiedlichste Ethnien in den bizarrsten Situationen zusammen und trägt seinen Teil zu jenem Lernprozess bei, den wir alle durchschreiten sollten. Musik tritt in „Biutiful“ nur akzentuiert auf, zumeist bestimmen authentische Soundkulissen das Geschehen. Iñárritu's Kompositionen beschränken sich auf einige gezupfte Gitarrenklänge, ansonsten ist es die bedrückende Stille, die mächtige Stimme Bardem's oder die erlösende Ruhe, die mit den – von einer grandios getimten Kamera eingefangenen – Bildern interagiert. „Biutiful“ ist ein audiovisuelles Glanzstück, das von seiner fehlerfreien Kameraarbeit und der stilsicheren Verwendung musikalischer Untermalung lebt. Deklamatorisch führt uns Iñárritu durch den pessimistischen Alltag des Hauptprotagonisten, verweist immer wieder auf das Motiv der Mystik und beeindruckt gerade in jenen Szenen, in denen er sich voll und ganz den spirituellen Attributen seines Protagonisten widmet. Wenn er in einer mustergültigen Dramaturgie auf einige verstörende Szenen zusteuert, um im nächsten Moment die Zeit anzuhalten und die Metapher nicht weiter Metapher sein lässt. Ohne falsche Sentimentalität erleben wir schließlich das Ende des Filmes, ein fast schon zurückhaltender Klimax und eine optimistische Botschaft. Trotz allen Missständen und Missverständnissen ist Iñárritu's Welt eine lebenswerte, eine wunderschöne für die es sich zu kämpfen lohnt, so beautiful.
7/10
Asgard meint:
Biutiful, ein Film wie er bedrückender und ergreifender kaum sein könnte. Der Film zeigt das Leben auf der Schattenseite Barcelonas, das Leben der Menschen, die vom Glück nicht begünstigt sind und ein hartes, trostloses Leben fristen. Zwischen qualmenden Fabrikschloten, die ihm Verlauf des Filmes immer wieder gezeigt werden, ebenso wie triste und heruntergekommene Straßenzüge, die dem Rezipienten das Gefühl der Hoffnungslosigkeit näher bringen, lebt Uxbal mit seinen Kindern und verdient das Geld für den Unterhalt. Trübe Sonnenaufgänge über der Millionenstadt steigern das düstere Bild der Örtlichkeiten an denen sich das Leben des Protagonisten abspielt. Matschige Baustellen, dicht bevölkerte Plätze und heruntergekommene Gässchen sowie eine neuzeitliche Kirche. Das Elend ist allgegenwärtig und trotz seiner Bemühungen kann er nicht immer der liebenswürdige Vater sein, der er gerne sein möchte. Sein Leben ist dominiert von der Gier nach Geld und den Sorgen, dass es seinen Kindern schlecht gehen könnte.
Eindrucksvoll wird gezeigt wie er sich durchschlägt, versucht mit seiner Ex-Frau ins Reine zu kommen und die Kinder gemeinsam zu erziehen, was jedoch an den Problemen der Mutter sowie Uxbal selbst scheitert, der die Beziehung ebenso sehr sabotiert wie seine Frau. Doch für kurze Zeit blüht die kleine Familie auf und ist glücklich, ehe die kalte und herzlose Realität sie auf den Boden der Tatsachen zurückholt, härter und erdrückender denn je. Uxbals Zustand verschlechtert sich und dazu gesellen sich Schuldgefühle, verursacht durch eine Katastrophe die ihn schwer belastet und schließlich Rat bei jemandem suchen lässt, der ebenso wie er selbst, mit den Toten sprechen kann. Kompromisslos und brutal serviert Alejandro González Iñárritu dem Rezipienten einen Wettlauf mit der Zeit, in dem es dem Protagonisten nur darum geht, eine sichere Zukunft seiner Kinder zu kreieren und dieser Wettlauf, konsequent und erbarmungslos auf den tragischen Höhepunkt getrieben, endet schließlich mit einer surrealen Szene in einem verschneiten Wald, die dem geneigten Zuschauer schon zu Beginn des Filmes Rätsel aufgibt und es schließlich lüftet, auch wenn das Ende ebenso viele Fragen offen lässt, wie es zu beantworten vermag.
8/10




Biutiful hört sich sehr interessant an und er liegt bereits seit geraumer Zeit in meinem Regal. Spätestens nach diesem gelungenen Review, wird er angesehen. Es ist auch schön zu sehen, dass ihr beide Reviews verfasst und die individuelle Meinung postet, anstatt sich die Arbeit zu teilen.
AntwortenLöschenDu solltest dem Film in jedem Fall eine Chance geben und ich wüsste eigentlich gar nicht, wie wir uns die Arbeit teilen sollten, meinst du damit, dass jeder einen anderen Film rezensiert? ^^ Ach, und danke! ;)
LöschenJa. Manche teilen sich die Rezensionen auf, damit sich der zweite Autor um einen anderen Film kümmern kann. Aber ich empfinde es als bedeutend besser, wenn sich beide einen Film ansehen, da auch eine unterschiedliche Meinung erzielt werden kann. So, wie ihr es bereits getan habt.
Löschen@Garfield: hhhhm, 7 Punkte sind meiner Meinung nach nicht wenig, aber für "Biutiful" schon sehr knapp bemessen... "Biutiful" erweist sich meiner Meinung nach als kleines, kunstvoll arrangiertes Meisterwerk voller Aufrichtigkeit/ Ehrlichkeit...
AntwortenLöschen[Die erzählte Geschichte ist ein Konstrukt aus Banalitäten, Alltagsproblemen und Zufällen und dient einmal mehr der übergeordneten Thematik...] Welche Banalitäten meinst du? Ich konnte keine im Film ausmachen, weder das authentische Drogendealen in den Straßen, noch die seelischen Erkrankungen der Ehefrau, die sich mit dem Bruder nochmal ausleben möchte und schwer erträglich rumhurt, was im höchsten Maße schwierig zu spielen war, noch die Probleme mit der Erziehung der Kinder...Mit wachem und scharfem Blick seziert Iñárritu während all dieser authentischen Geschehnisse im Leben stets das, was sich jenseits des offensichtlichen zuträgt. Tag für Tag kämpfen die Menschen ums Überleben, der innere Zerfall dieser wird in jeder Szene deutlich und spürbar (auch in der Diskothek, als dem Protagonisten Uxbal falsches Mitleid zugeheuchelt wurde). Was du als Klischees und Banalitäten einstufst, sind in Wahrheit reine Tatsachen..."Biutiful" erweist sich genauso nah am Leben inszeniert wie zuletzt "Babel." Vielleicht hilft dir ja beizeiten der Audiokommentar auf der BluRay Disc weiter... ;)
Leider liegt hier ein Missverständnis vor, denn der von dir zitierte Satz, sollte keineswegs ein Kritikpunkt sein. Das Wort Klischee benutze ich übrigens in keiner Zeile.
LöschenIch wollte lediglich die Alltäglichkeit, die Authentizität der Geschichte als solches herausstellen, da es nicht immer eine "abgefahrene" Geschichte braucht, um zu überzeugen bzw. zu unterhalten.
Noch nicht gesehen, wird bald nachgeholt. Sehr gelungene Kritik(en). ;-) Gruß Iso
AntwortenLöschenVielen Dank! :)
LöschenDrücke mich aus irgendeinem Grund vor dem Film, nun bin ich der Meinung "Den muss ich sehn!" aber ein gewaltiges Stück näher gekommen :)
AntwortenLöschenVersuchen solltest du es auf jeden Fall! ;)
LöschenKleine Verbesserung: Das Wort "Hauptprotagonist" gibt es so nicht, da "Protagonist" bereits die Hauptfigur meint. ;)
AntwortenLöschenWurde geändert, danke für die Info. ;)
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